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Kritik: Amapola - Eine Sommernachtsliebe (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das romantische Drama ist das Regiedebüt von Eugenio Zanetti, der bereits 1996 als Ausstatter von "Zeit der Sinnlichkeit" einen Oscar erhielt. Auch "Amapola – Eine Sommernachtsliebe" schwelgt in gestalterischer Kreativität, wenn der Film durch die Zeiten, zwischen Wirklichkeit und Traum hin und her springt. Die in Argentinien angesiedelte Geschichte greift beständig Motive aus Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" auf und wirkt damit selbst wie eine beschwingte Fantasie über die Eingebungen des Herzens.

In Shakespeares Liebeskomödie geht es um Streiche, welche ein Elfenkönig und ein Kobold mit einer magischen Substanz spielen: Derjenige, der sie im Schlaf bekommt, verliebt sich in den ersten, den er beim Erwachen erblickt. Auch im Hotel Amapola dreht sich fast alles um die Liebe. Die junge Titelfigur wartet, dass ihr der Fluss den Mann fürs Leben bringt, und tatsächlich naht auf einem Boot ein Amerikaner aus Idaho, dem schon bald nach Tanzen zumute ist. Das wiederum ist an diesem Ort nichts Außergewöhnliches, denn auch auf der Hotelveranda und in der Halle tanzten bereits einmal spontan lauter junge, schöne Menschen – die wer weiß woher hereingeschneit kamen. Diese Nähe zum Musical sucht auch die Bühnenaufführung des "Sommernachtstraums", bei der es sich um eine gesungene Variante handelt. In diese Idylle grätscht die böse Gegenwart hinein, mit den Nachrichten vom Militärputsch und den Fliegern am Nachthimmel. Auch sonst gibt es Anzeichen dafür, dass die Menschen gerade an ihrem eigenen Unglück basteln: Amas Schwester ist mit einem Mann zusammen, der ihr sagt, sie sei hässlich, und Ama selbst begegnet einer Frau, die ihr verrät, sie erwarte ein Kind von Luke.

Die Visionen und Träume, die Ama erlebt, stehen in der südamerikanischen Tradition des magischen Realismus. Ama kann nicht nur in die Zukunft schauen, sondern sie kehrt noch einmal an den Tag von Lukes Ankunft zurück, um mit dem neu gewonnenen Wissen dem Lauf der Dinge eine andere Richtung zu geben. Das tut sie zum Teil in der Realität, zum Teil auf der Bühne im "Sommernachtstraum". Mit all diesen Wechseln von Zeit und Raum wirkt der gesamte Film sehr verschachtelt. Das ist nicht nur optisch reizvoll, auch atmosphärisch baut sich eine Spannung auf, die neugierig macht. Eine gewisse Enttäuschung folgt auf dem Fuße, denn die filmische Botschaft lässt sich darauf reduzieren, dass die Menschen stärker für das Gute, für die Liebe kämpfen sollen. Das ist angesichts den ganzen Aufwands etwas trivial, aber leicht und verspielt geht es ja letztlich auch in dem Theaterstück zu, um das der Film all seine schönen Schleifen bindet.

Fazit: Eugenio Zanettis Regiedebüt variiert das Thema von Shakespeares "Sommernachtstraum" auf verschiedenen Handlungsebenen zwischen Realität und Fantasie. Am Schauplatz Argentinien entsteht so eine verschachtelte und dem magischen Realismus verpflichtete Geschichte, die atmosphärisch überzeugt, aber kaum in die Tiefe geht.





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