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Frank
Frank
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Frank (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Auf den ersten Blick scheint es absurd, ausgerechnet Michael Fassbender beinahe den gesamten Film lang unter einem überdimensionierten Pappmaché-Kopf zu verstecken, wie es Regisseur Lenny Abrahamson in "Frank" tut. Der Schauspieler, dem wohl wie keinem anderen momentan der Brückenschlag zwischen großen Hollywoodproduktionen und anspruchsvollem Independentkino gelingt, ist schließlich als ausdrucksstarker Charakterdarsteller bekannt. Doch gerade unter der leblosen Maske der Titelfigur gelingt es Fassbender noch einmal sein großes Talent eindrucksvoll unter Beweis zu stellen: Mit einer vielsagenden Körpersprache und dem nuancierten Einsatz seiner Stimme stellt Fassbender eindeutig das charismatische Zentrum dieser kleinen, aber feinen Tragikomödie dar.

Der Kosmos, in dem "Frank" spielt, scheint zunächst aus nichts als Verschrobenheiten zu bestehen, wie sie in vielen Indiefilmen anzutreffen sind. Anhand des von Domhnall Gleeson verkörperten Normalos Jon betritt das Publikum die Welt der Avantgarde-Band "The Soronprfbs": Neben dem Frontmann Frank besteht diese aus der Schlagzeugerin Nana und dem Bassisten Baraque, die beiden ebenso schlecht gelaunt wie schweigsam sind, sowie der weniger zurückhaltenden, aber keinesfalls sonnigen Thermin-Spielerin Clara. Im ersten Drittel zeigt der Film die Musiker bei den Aufnahmen zu ihrem Album und macht dabei keinerlei Anstalten, einen Plot zu entwickeln. Stattdessen verliert sich Abrahamson ganz in der Inszenierung von kleinen, meist skurrilen Episoden, die die Zuschauer in das muntere und ziemlich unberechenbare Bandgefüge einführen.

Bei allem Sinn für Abseitiges und schräge Töne entwickelt "Frank" nach und nach dennoch eine klare Botschaft und betritt schließlich auch in narrativer Hinsicht konventionelles Gebiet. So wie sich in den experimentellen und rauen Sounds der Band "The Soronprfbs" doch immer eingängige Melodien und poppige Harmonien entdecken lassen, so fühlt sich Abrahamson bei aller Liebe fürs Außenseitertum mit seinem Spielfilm doch dem klassischen Storytelling verpflichtet. Seine bitter-süße Komödie entpuppt sich so als Abgesang auf die müden Klischees um Künstler und Kreativität, die er zu Beginn noch zu bedienen scheint. Am Ende sind es nicht all die Verrücktheiten und Extravaganzen, die "Frank" ausmachen, sondern seine Klarheit und Wärme, die direkt ins Herz zielen.

Fazit: Mit "Frank" ist Lenny Abrahamson eine bisweilen unberechenbare Tragikomödie voller Verrücktheiten gelungen. Eine zu Herzen gehende Geschichte, die kritisch auf Klischees blickt, sowie ein hervorragender Michael Fassbender machen diesen Indiefilm zu einem echten Highlight.




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