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Worst Case Scenario
Worst Case Scenario
© Grandfilm

Kritik: Worst Case Scenario (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die Low-Budget-Indie-Satire "Worst Case Scenario" ist der neue Film vom Mosbacher Filmemacher und Drehbuchautor Franz Müller, der 2009 mit seinem preisgekrönten Beziehungsdrama "Die Liebe der Kinder" bekannt wurde. Unter realen Bedingungen entstand der Film in wenigen Wochen mit einem Mini-Budget. Müller versammelte hierfür eine Mischung aus polnischen Laien-Schauspielern und bekannten deutschsprachigen Kino- und TV-Gesichtern wie etwa Hauptdarsteller Samuel Finzi ("Flemming") oder Eva Löbau ("Tatort", "Wilsberg").

"Worst Case Scenario" kann als klassische Realsatire im besten Sinne angesehen werden: die chaotischen Vorgänge am Drehort in Polen, die der Film herrlich unprätentiös und ohne sie auf die Spitze zu treiben, darstellt, muten nicht selten wie absurdes Theater und regelrecht tragikomisch an. Die Realität wird zur aberwitzigen-abwegigen aber tatsächlichen Satire, wenn das größtenteils improvisierte Szenario immer mehr aus den Fugen gerät und "Projektleiter" Georg zunehmend die Kontrolle verliert. Samuel Finzi glänzt dabei als couragierter, hochmotivierter Filmemacher, der nur ein Ziel vor Augen hat: seinen Film zu realisieren. Dass es bei ihm auf menschlicher Ebene öfter auch hapert und er gegen Ende seine Mitarbeiter immer schlechter behandelt und herumkommandiert, spielt für ihn da weniger eine Rolle. Oberste Priorität hat der Film.

Herrlich ist jene Szene, wenn die Reste des Filmteams - unmotiviert, ja fast gleichgültig - zusammengekauert im Zelt hocken und der kämpferische Georg die letzten Reserven der Mannschaft aktivieren will und diese nochmals zu motivieren versucht: um Filme zu machen müsse man schließlich "in der Lage sein, seine eigene Mutter umzubringen." Natürlich verfehlt die beherzte Ansprache seine Wirkung völlig. Hinzu kommt eine Reihe an großartigen Ideen und wunderbar eingesetzten Sidekicks, die für enorme Erheiterung sorgen: von der viel zu leisen und schüchternen Aufnahmeleiterin, deren Ansagen man kaum versteht, über die wahrlich untalentierten polnischen Laiendarsteller bis hin zum notorisch schlecht gelaunten und immer nörgelnden, "improvisierten" Kameramann, der dem großen Lars von Trier nacheifern will.

Fazit: "Worst Case Scenario" über ein kurz vor dem Scheitern stehendes Filmprojekt ist eine beachtenswerte, entwaffnend ehrliche Film-im-Film-Satire, die auf unterhaltsame Art darlegt, wie fragil nicht nur zwischenmenschliche sondern auch berufliche Beziehungen sein können. Tragisch-absurd, ungeschönt und mit schrulligen Figuren ausgestattet.





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