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Still the Water
Still the Water
© Film Kino Text

Kritik: Still the Water (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dass es Naomi Kawase nicht an Ehrgeiz und Selbstbewusstsein mangelt, wurde deutlich, als die japanische Filmemacherin "Still the Water" vor seiner Aufführung in Cannes als ihr Meisterwerk bezeichnete und die Auszeichnung mit einer Goldenen Palme zu ihrem großen Ziel erklärte. Die Jury des prestigeträchtigen Filmpreise entschied sich jedoch anders und zumindest für viele Kritiker ist das Coming-of-Age-Drama alles andere als große Filmkunst. Zu schwer, zu aufgeblasen, zu esoterisch, zu langweilig sei Kawases neuer Spielfilm, kurz: Arthouse-Kino von der schlimmsten Sorte.

Bei der ersten Annäherung an "Still the Water" mögen die negativen Erwartungen dann tatsächlich erst einmal bestätigt werden: Immerhin zieht sich Kawases Film über zwei Stunden Laufzeit und dürfte alleine damit schon die Geduld so mancher Zuschauer herausfordern. Zahlreiche Naturaufnahmen, eine spärliche, in Episoden aufgebrochene Handlung sowie eine symbolhafte Bildsprache werden wohl zusätzlich an den Nerven der Ungeduldigen zerren – und ihnen den unvoreingenommenen Blick auf einen durchaus sehenswerten Film versperren.

Denn obwohl die Regisseurin und Drehbuchautorin Kawase nichts besonders Aufregendes oder Originelles zu erzählen hat und sowohl bei der Wahl ihrer Themen als auch bei der Metaphorik auf Stereotype zurückgreift, beweist sie mit "Still the Water" erneut großes Talent. Mit einer einfühlsamen Behutsamkeit, die nicht mit Stillstand zu verwechseln ist, entwickelt die Filmemacherin ihre Motive und versteht es ihrem Drama dabei eine unvergleichliche Leichtigkeit einzuhauchen. Da mögen die in den sparsamen Dialogen auftauchenden Lebensweisheiten noch so plakativ und der philosophische Überbau etwas zu penetrant geraten sein, im Grunde ist "Still the Water" aber ein geerdeter, bescheidener Film.

Das zeigt sich besonders im dokumentarischen, bisweilen ethnologischen Blick auf große Themen wie Tod, Sexualität und Existenzängste: Die neugierig suchende Handkamera, die immer wieder alltägliche Begebenheiten und Rituale aufschnappt, ist keine die bereits alle Antworten kennt und das Publikum belehrt, sondern mehr eine selber noch lernende Vermittlerin. Der alte Fischer, den die beiden jugendlichen Protagonisten im Lauf des Films immer wieder aufsuchen und der mit aus dem Off gesprochenen Zeilen als moralische Instanz auftritt, ist dementsprechend nicht der große Mentor dieses Films. Seine Weisheit, Wärme und Trost findet "Still the Water" vielmehr in der von Jun Yoshinaga stark gespielten Heldin Kyoko, einem Mädchen von geradezu raffinierter Naivität.

Fazit: Trotz allen philosophischen Ballastes und plakativer Lebensweisheiten entpuppt sich "Still the Water" letztlich als ein leichter, bescheidener Film, der vor allem auf den Schultern der jungen Hauptdarstellerin Jun Yoshinaga ruht.





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