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Nachthelle
Nachthelle
© Daredo Media GmbH

Kritik: Nachthelle (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das mystisch angehauchte, von einer bedrohlichen Stimmung durchzogene Drama "Nachthelle" ist der neue Film von Florian Gottschick, einem Absolventen der Hochschule für Film und Fernsehen. Für "Nachthelle" versammelte Gottschick gestandene Theater- und Kino-Darsteller, so z.B. Anna Grisebach, die u.a. bereits am Schauspielhaus Düsseldorf, Bochum und Schauspiel Frankfurt zu sehen war. Benno Fürmann ("Der blinde Fleck", "Nordwand") zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten und gefragtesten Darstellern im deutschen Film und TV.

"Nachthelle" zumeist ein über die Maßen sehenswerter, weil hochatmosphärischer und spannender Film geworden, der nicht zuletzt vom glaubwürdigen, überzeugenden Spiel der Darsteller lebt. Dabei glänzen vor allem Benno Fürmann in der Rolle des undurchsichtigen, charismatischen Bernd, dessen wahre sexuelle Neigungen über den gesamten Zeitraum des Films nie so ganz klar sind, und Vladimir Burlakov als Annas Partner Stefan. Der deutsche Schauspieler russischer Herkunft, der bisher vor allem in Serien wie "Der letzte Bulle" oder "Der Kriminalist" zu sehen war, liefert als etwas naiver, sich auf die Flirtversuche von Marc einlassender Stefan eine gelungene Darstellung. Auch Anna Grisebach nimmt man die Figur der hochemotionalen, cholerischen Anna ab, die "auf Schwänze steht" und zu unkontrollierbaren Gefühlsausbrüchen neigt. In der zweiten Hälfte des Films, wenn Anna immer mehr den Bezug zur Realität verliert, rutscht ihre intensive Darbietung ab und an ein wenig ins unfreiwillig komische Overacting ab.

Unfreiwillig witzig geraten sind auch noch andere Szenen und Momente, etwa wenn Stefan das Pärchen Bernd und Marc nach ihrem Schwulsein ausfragt (Stefan wirkt an dieser Stelle eher wie ein 12-jähriger Junge als ein 32-jähriger Mann) oder jener Moment, wenn Stefan die Beiden beim stöhn-intensiven Beischlaf "zufällig" belauscht und einen Augenblick lang nicht glauben mag, dass so etwas auch zwischen zwei Männern möglich ist - dies lässt einen zumindest sein Gesichtsausdruck glauben. Die Stimmung im Film kippt gewaltig in Richtung Psychothriller, sobald Stefan von einer früheren, bisher von Anna verheimlichten Beziehung erfährt und als es (die in helles Licht getauchte Schlüsselszene des Films) auf dem Dach der ehemaligen Schule der Vier zu einer Aussprache kommt, die alte Wunden aufreißt, ein tragisches früheres Erlebnis wieder wachruft und damit den Beginn von Annas psychischem Verfall einläutet. Ab diesem Zeitpunkt gewinnt der Film an Klasse, als Zuschauer kann man fortan zunehmend nicht mehr zwischen Realität und Traum unterscheiden - eine Tatsache, die man als Betrachter mit Hauptfigur Anna gemeinsam hat.

Fazit: Psychologisches Mystery-Drama mit starken Darstellern und einer spannenden Grundkonstellation. Abgesehen von den wenigen Schwächen und der unfreiwilligen Komik im ersten Drittel, sehenswert.





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