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Station to Station
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Kritik: Station to Station (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Ein Zug, zehn Stationen und eine ganze Reihe von international bekannten Künstlern, so lauten die klaren Koordinaten des Kunstprojekts "Station to Station" des Multimedia-Künstlers Doug Aitken. Vor allem Musiker wie Thurston Moore, Beck, Patti Smith, Cat Power und Mavis Staples haben diesem Konzept im Herbst 2013 Leben eingehaucht, daneben waren aber auch Fotografen wie William Eggleston oder der Künstler Ólafur Elíasson an der außergewöhnlichen Zugreise beteiligt. Für seinen gleichnamigen Dokumentarfilm hat Aitken nun 62 1-minütige Kurzfilme geschaffen, die in Form einer Clip-Collage Einblicke in das Happening mitsamt seiner zahlreichen Performances und Konzerte geben.

Mit seinen schellen Schnitten und dem ständigen Soundtrack erinnert "Station to Station" stark an Musikvideos. Trotz der sehr unterschiedlichen Protagonisten inszeniert Aitken die Auftritte immer mit einer typischen Handschrift: Es herrscht eine warme Stimmung, das Licht fällt sanft, oft sind Sonnenuntergänge, Westernlandschaften und Edward-Hopper-Szenerien zu sehen. Die bunte Vielfalt der Künstler wird so in Aitkens eigener Ästhetik gebündelt, was auf Dauer ermüdend und monoton wirkt. Die ständigen Zeitlupen und Rahmungen, von denen der Regisseur übermäßigen Gebrauch macht, entwickeln zudem spätestens ab der Hälfte des Films eine unfreiwillige Komik und nehmen beinahe schon (selbst-)parodistische Züge an.

Wenig Abwechslung und Tiefgang bietet auch die konzeptionelle Struktur des Films. Innerhalb einer Minute können Gedanken und Performances nur grob angerissen werden und machen zwar bestenfalls neugierig auf mehr, aber lassen das Publikum gleichzeitig doch oft auch unbefriedigt zurück. Man kann diese filmische Aufteilung selbstverständlich demokratisch bezeichnen, vielmehr aber sorgt sie für eine Nivellierung, die alles gleich flach erscheinen lässt. Sozialkritische Kommentare, Blues-Gesänge, wilder Punk und abstrakte Kunst geraten in "Station to Station" so zu einem recht austauschbaren Brei. Mit viel Trommeln und Gitarren will Aitken ein authentisches Amerika durchqueren und erfahrbar machen, letztlich dreht der Filmemacher sich dabei aber doch bloß um seine eigene künstlerische Achse.

Fazit: Eine künstlerische Zugreise voller Musik und Performances gerät in Doug Aitkens oberflächlicher Clip-Collage zu einer reichlich monotonen und ermüdenden Angelegenheit.





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