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Ghost in the Shell
Ghost in the Shell
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Ghost in the Shell (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Blockbuster "Ghost in the Shell" basiert auf dem gleichnamigen Kult-Anime von Mamoru Oshii, der wiederum auf einer Manga-Vorlage von Masamune Shirow (1989) beruht. Für die Hauptrolle war zunächst Margot Robbie vorgesehen, die dann aber wegen "Suicide Squad" absagte. Die Dreharbeiten für die 110 Millionen-Dollar-Produktion begannen im Februar 2016 und zogen sich bis in den Sommer desselben Jahres. Gedreht wurde unter anderem in Neuseeland und in Hongkong. Die Regie übernahm Rupert Sanders, für den "Ghost in the Shell" erst der zweite Spielfilm ist. Sein Debüt gab der ehemalige Werbefilmer mit der Fantasy-Produktion "Snow White and the Huntsman" (2012). Für seinen Werbespot für das Videospiel "Halo 3" wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Regisseur Sanders orientiert sich hier und da schon recht deutlich an dem legendären Film von 1995, der zu den einflussreichsten japanischen Produktionen aller Zeiten zählt. Dieser nahm bereits Aspekte vorweg, die heute alltäglich sind, zum Beispiel die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Oder die Frage danach, was den Menschen definiert und den Einfluss des Internets – beziehungsweise der fortschreitenden Cyber-Entwicklung – auf den (digital geführten) Terrorismus. All dies greift Sanders letztlich wieder auf und auch in der Neuverfilmung steht ein Grundkonflikt im Zentrum, der dem Werk den emotionalen Unterbau liefern soll: die Suche von Major (beziehungsweise Mira Killian, wie sie in der Neuverfilmung heißt) nach ihrer Identität und dem, was in der Vergangenheit geschah.

Leider lässt dieser Grundkonflikt relativ kalt. Denn allzu oft schon hat man diese Prämisse in Science-Fiction-Werken bereits umgesetzt gesehen. Freilich, vor allem optisch, auf eine andere Weise, dennoch: Die Frage, was den Mensch von der Maschine unterscheidet sowie die Themen "Fremdsteuerung" und "Menschlichkeit / Menschwerdung künstlicher Wesen" wurden filmisch bereits zu oft bearbeitet ("A.I.", "Blade Runner", "Metropolis" und andere). Zu oft, um auf dieser Ebene noch zu überraschen. Schön wäre es gewesen, Sanders hätte der Story ein paar eigene, kreative Einfälle mehr hinzugefügt. Auch wenn "Ghost in the Shell" keine reine, plumpe Kopie des Animes darstellt.

Eine Enttäuschung ist "Ghost in the Shell" dann auch alles in allem bei weitem nicht. Dafür sorgt zum einen die durchgestylte, exakt durchkomponierte visuelle Ästhetik des Films (beachtlich: die städtebauliche Architektur, die hier zu sehen ist). Auch wenn sich die Visualität des Films, den von einigen Kritikern vorgebrachten Vorwurf einer allzu überzogenen Künstlich- und Seelenlosigkeit – nicht zu Unrecht – gefallen lassen muss. Die optische Brillanz des Films sowie die cyber-realistischen, stilvollen Kulissen und Settings machen dennoch einen großen Reiz aus. Ebenso liefert Scarlett Johansson eine solide, ansprechende Leistung. Insgesamt schafft sie es, ihrer Figur die innere Zerrissenheit glaubhaft einzuverleiben. Ihr Schicksal ist dem Zuschauer nicht gänzlich egal, und das ist schon mal eine Leistung in einem voll auf die Erwartungen der Zielgruppe (vornehmlich Kenner des Mangas respektive Animes) zugeschnittenen CGI-Werk. Dennoch fehlt "Ghost in the Shell" bisweilen das Melancholische, Mystische und die vielschichtige Tiefe des Originals.

Fazit: Visuell stilvolle, spektakulär bebilderte und alles in allem solide Live-Action-Variante, die aber bei weitem nicht an die emotionale Tiefe und Vielschichtigkeit von Oshiis Sci-Fi-Anime von 1995 heranreicht.





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