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Voices of Violence
Voices of Violence
© mindjazz pictures

Kritik: Voices of Violence (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Claudia Schmid ("Die Stille der Unschuld – Der Künstler Gottfried Helnwein") hat bereits mehrere Dokumentarfilme über Künstler gedreht. Nun widmet sie sich einem neuen Themengebiet, der Gewalt gegen Frauen. "Voices of Violence" über Vergewaltigungsopfer im Kongo ist der erste Teil einer Trilogie: In einem zweiten Film will sich Schmid in Benin und Bangladesch umschauen, im dritten Film soll es um Gewalt gegen Frauen in Deutschland gehen. Der Dokumentarfilm aus dem Kongo eröffnet die Reihe mit einem Paukenschlag, denn die Opfer schildern nicht nur unvorstellbare Gräueltaten, sie führen auch ein sehr schweres Leben, in dem es wenig Hoffnung und wenig Handlungsspielraum gibt.

Schmid hat wiederholt ein Dorf in der Region Süd-Kivu besucht und dort Kontakt zu Frauen gesucht, die von Rebellen vergewaltigt wurden. Nakatya, Vumilia, Lorenzi, Josiana und Nakatyas Tochter Furaha erzählen vor der Kamera, was ihnen widerfuhr. Das bestialische Wüten einer Hutu-Rebellengruppe lässt sich auch in Worten kaum ertragen und so verwundert es nicht, wenn Nakatya feststellt: "Unser Verstand ist nicht gesund." Aber es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer: Eine Sozialarbeiterin kümmert sich um die Opfer, die sich regelmäßig treffen. Sie haben eine Art Traumatherapie erhalten und unterstützen sich gegenseitig mit einem finanziellen Fonds. Leider erfährt man aber nicht sehr viel über die konkreten Lebensumstände der Frauen, wo die Verstoßenen wohnen, wie sie ihre Kinder ernähren.

Schmid fängt auch einige männliche Stimmen ein, die der Frau ein Recht auf Selbstbestimmung weitgehend absprechen. Und sie besucht ein Flüchtlingscamp, in dem Frauen vor der Gewalt der männlichen Bewohner nicht sicher sind, taucht in den Trubel auf den Straßen einer Provinzstadt ein. Dass sie als europäische Filmemacherin in dieser Männerwelt und zu diesem Thema recherchiert, beweist sicherlich viel Mut, lässt das Filmprojekt aber auch immer wieder an Grenzen stoßen. Die Frage nach den strukturellen Ursachen der Gewalt gegen Frauen erweist sich außerdem als zu breit angelegt. Vielleicht wäre es besser gewesen, das Thema an geeigneten Stellen punktuell zu vertiefen, zum Beispiel die Sozialarbeiterin Thérèse Mema Mapenzi, die sich im Dorf um die traumatisierten Frauen kümmert, über ihre Ziele und Erfahrungen zu befragen. So aber wirkt dieser sehr aufwühlende Film zu wenig fokussiert und gestattet nur lückenhafte Einblicke in eine erschreckende Welt. Vielleicht finden Form und Inhalt jedoch im Laufe der Trilogie besser zusammen.

Fazit: Der aufwühlende Dokumentarfilm von Claudia Schmid porträtiert Dorfbewohnerinnen im Bürgerkriegsland Kongo, die von Rebellentruppen entführt und vergewaltigt wurden. Dabei macht er nicht nur unvorstellbare Gräueltaten publik, sondern prangert auch die soziale Ächtung der Opfer in einer frauenfeindlichen Kultur an. Die breit angelegte Perspektive aber hat zur Folge, dass der engagierte Film zu wenig fokussiert wirkt.





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