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Scultura - Hand. Werk. Kunst.
Scultura - Hand. Werk. Kunst.
© drei-freunde

Kritik: Scultura - Hand. Werk. Kunst. (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Francesco Clerici beobachtet, wie eine Bronzeplastik entsteht. Dabei geht es in dem Langfilmdebüt des studierten Kunsthistorikers und Dozenten für Filmsprache weniger um die Arbeit des Bildhauers an sich, sondern vielmehr um die Kunst der Handwerker, die aus seiner Wachsfigur in mehreren aufwändigen Schritten die metallene Skulptur fertigen. Der Film bekam den Fipresci-Preis beim Berlinale Forum 2015.

In der renommierten Mailänder Kunstgießerei Fonderia Artistica Battaglia gehen die Uhren ein wenig anders. Die Hektik der modernen Welt scheint ausgesperrt zu sein, die Handwerker widmen sich in Ruhe und Konzentration ihrer Arbeit. Der eine mischt aus verschiedenen Pulvern und Wasser den Tonschlamm, den er dann umsichtig auf die wächserne Skulptur aufträgt. Ein anderer poliert später die Bronzeskulptur wieder und wieder mit Flüssigkeiten, die ihr eine bestimmte Patina verleihen. Clerici schneidet immer wieder kurze Aufnahmen in Schwarz-Weiß dazwischen, die aus dem Jahr 1967 stammen und zeigen, dass die Arbeit auch damals schon so ablief. Die Handwerker der Fonderia sind ein eingespieltes Team. Sie sprechen zumindest in diesem Film kaum miteinander, meistens sind Stimmen nur im Hintergrund zu hören oder aus dem Radio.

Der Film ist rein beobachtend, es gibt keine Kommentare oder Fragen, nicht einmal eine namentliche Vorstellung der Protagonisten. Durch die minutiöse Begleitung der entstehenden Hundeskulptur bis zum Endprodukt entsteht eine Atmosphäre meditativer Sinnlichkeit. Clerici konzentriert sich auf die Arbeit der Hände, den Rhythmus ihrer Bewegungen, ihre Fähigkeit, zu formen und zu verändern. Die Bronzeskulptur ist das Produkt einer gemeinschaftlichen Arbeit, deren Entwicklungsstadien sich mit organischen Vorgängen in der belebten Natur assoziieren lassen, zum Beispiel mit der Verpuppung einer Raupe. Clerici selbst sieht in dieser Technik eine Metapher für Geburt und Wiedergeburt.

Der Nachteil der rein beobachtenden Methode ist, dass sich dem Betrachter der Sinn mancher Tätigkeiten und Abläufe nicht über das hinaus, was sichtbar ist, erschließt. Am besten wäre es wohl für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen, den Film mit einem Experten zu betrachten oder sich dazu eine Handreichung zu besorgen, die das Wachsausschmelzverfahren Schritt für Schritt erläutert. Clerici lag ganz offensichtlich nicht daran, eine Fernsehdokumentation mit informierendem Charakter zu drehen: Sein Film regt die Sinne und die Fantasie an, er erfordert Geduld und gerät zur Hommage an ein Kunsthandwerk und seine Tradition, die ein Stück weit in eine geheimnisvolle Aura gehüllt bleibt.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Francesco Clerici, der die Entstehung einer Bronzeskulptur in einer Mailänder Kunstgießerei beobachtet, kommt fast gänzlich ohne Worte aus. Er würdigt die alte Tradition der Herstellung, die gestalterische Kraft der Hände und regt mit seiner andächtigen, sinnlichen Atmosphäre die Fantasie an.




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