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Sumé - The Sound of a Revolution
Sumé - The Sound of a Revolution
© Anorak Film

Kritik: Sumé - The Sound of a Revolution (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die größte Insel der Welt ist auch diejenige mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Nicht einmal 60 000 Menschen leben auf Grönland. Und doch verfügt der autonome Teil Dänemarks über eine rege Musiklandschaft. Das ist nicht zuletzt das Verdienst der Mitglieder von Sumé. Was an dieser Band so revolutionär war, wie es der Untertitel des Dokumentarfilms behauptet, zeigt Regisseur Inuk Silis Høegh mit viel Archivmaterial und jeder Menge Zeitzeugeninterviews. Auf einen einordnenden Kommentar aus dem Off oder zusätzliche Musik verzichtet er. Die Stücke der Band bilden den Sound dieser Revolution.

Mit etwas Verspätung schwappten die weltweiten Bürgerrechtsbewegungen des 20. Jahrhunderts nach Grönland über. Und auch hier hatten die Studenten einen entscheidenden Anteil daran. Wie so vieles auf der eisigen Insel lief der Protest jedoch ein wenig anders ab. Da es zu Beginn der 1970er-Jahre keine Universität in Grönland gab, fanden sich die Bandmitglieder im weit entfernten Dänemark, wo sie studierten. Erst der Blick aus der Fremde habe ihnen die Augen für die Probleme in ihrer Heimat geöffnet. Bereits das erste Plattencover kam einer Provokation gleich: Es zeigt einen Holzschnitt aus dem 19. Jahrhundert, auf dem ein Inuit einen Wikinger wie ein Tier erlegt. Frontmann Malik Høegh sang von der Rückbesinnung auf die eigene Kultur und gegen die Unterdrückung der dänischen Kolonialmacht.

Aus europäischer Sicht wirken die Musiker, ihr Spiel und ihre Texte recht brav, geradezu aufgeräumt, manchmal gar bieder. Mit dem dreckigen, respektlos hingerotzten Rock, der zeitgleich durch die westlichen Industrienationen dröhnte, hat Sumé wenig zu tun. Doch dieser Vergleich greift zu kurz. Denn je mehr das Publikum über Grönland, dessen Bewohner und Kultur erfährt, desto deutlicher wird, wie heftig Sumé dieses leise, zurückhaltende, durch und durch bescheidene Volk erschüttert haben muss und dies bis heute tut. Ein klappriger roter Verstärker zieht sich wie ein roter Faden durch Høeghs Film. Mal positioniert er ihn auf einer Eisscholle, mal beschallt er damit die Wohnzimmer alter Weggefährten und Fans. Dann zeigt sich, wie ergreifend Sumés Musik auch vier Jahrzehnte später noch ist.

Mehr als 20 Prozent der Grönlander haben das Debütalbum in ihrer Plattensammlung. Die Musik hat viele junge Bands geprägt. Und obwohl sich einiges in der Gesellschaft getan hat, Grönland etwa seit 1979 eine eigene Regierung bildet und Grönländisch das Dänische als Alltagssprache abgelöst hat, geben sich viele Bandmitglieder heute nachdenklich. Auch das ist ein Verdienst dieses Films. "Sumé – The Sound of a Revolution" fängt nicht nur die Aufbruchstimmung ein, die Musik verbreiten kann, sondern auch die Ernüchterung, die allzu häufig darauf folgt.

Fazit: Am Beispiel der Band Sumé gewährt Regisseur Inuk Silis Høegh einen tiefen Einblick in die jüngere grönländische Geschichte. Obwohl der Dokumentarfilm von Rockmusikern handelt, schlägt er ruhige Töne an. Ein nachdenkliches Werk über die Macht der Musik.




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