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Voll Paula!
Voll Paula!
© Unfiltered Artists

Kritik: Voll Paula! (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Voll Paula!" beginnt damit, dass "jetzt eigentlich schon das Ende vom Film" ist, wie die Protagonistin dem Publikum in direkter Ansprache und mit fahrigen Gesten erklärt. Damit es richtig losgehen kann, muss sich die Titelheldin rasch aus dem Bild bewegen – und kollidiert dabei nicht nur mit ihrer am Rand stehenden Freundin, sondern verursacht auch große Verwirrung bei einem Passanten, der im Hintergrund herumstolpert und offenbar gar nicht geplant hatte, Teil dieser Chaos-Szene zu werden.

Das im Eigenverleih in die deutschen Kinos gebrachte Langfilmdebüt von writer-director-editor Malte Wirtz ist eine Feier des Verpeilt-seins, die ganz vom Charme des Improvisierten lebt. Mit split screen, beschleunigten Aufnahmen, einem plötzlichen Übergang vom Farb- zum Schwarz-Weiß-Bild (und wieder zurück) sowie mit einer beschwingten musikalischen Untermalung wird für filmsprachliche Abwechslung gesorgt, während in den Dialogen den verschwurbelten Gedankengängen der Fünfergruppe nachgegangen wird. Die Situationskomik vermag nicht an allen Stellen zu funktionieren – aber das wäre vermutlich auch langweilig.

Der Schauspielstil ist bewusst überzogen; dennoch gibt es diese Momente, die etwas sehr Authentisches haben – stets dann, wenn das greifbare Glück dem Quintett entgleitet, weil das Timing einfach nicht stimmt. Immer wieder verpassen und missverstehen die fünf Figuren einander; nichts will diesen jungen Stadtmenschen so recht gelingen – ehe sie sich's versehen, ist morgen schon heute und alles droht abermals völlig schiefzugehen.

Zu den Vorbildern, die dialogisch oder als Teil der Ausstattung eingebracht werden, zählt daher auch der Schriftsteller Louis Begley mit seinem Roman "Der Mann, der zu spät kam" (1993), in welchem dem Protagonisten in wichtigen Passagen seines Privatlebens exakt das widerfährt, was der Titel besagt. Ferner wird auf den temporeichen Kultfilm "Theo gegen den Rest der Welt" verwiesen – während ein Poster des Komikers Mike Myers als Sixties-Geheimagent "Austin Powers" die Lust an der Alberei verdeutlicht.

Fazit: Das Low-Budget-Werk von Malte Wirtz erzählt auf tragikomische Weise, mit Slapstick, Theatralik und Lust am Nonsens vom Ausbleiben des "richtigen Zeitpunkts".




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