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Nellys Abenteuer
Nellys Abenteuer
© farbfilm verleih

Kritik: Nellys Abenteuer (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wenn Nelly (Flora Li Thiemann) mit ihren Freunden die Halfpipes rauf und runter radelt, wenig später lässig beim Chatten auf dem Sofa lümmelt, ihre Querflöte partout nicht in den Urlaubskoffer packen möchte und sich über ihre Eltern aufregt, zeigt das in komprimierter Form: Die Protagonistin ist beliebt, sportlich, musikalisch, technisch versiert und gibt sich ihrem Alter entsprechend gern etwas zu cool. Zeit zum Zicken bleibt im siebenbürgischen Hermannstadt (rumänisch: Sibiu) aber kaum. Ihre zu Beginn kurz vorgestellten Eigenschaften kann Nelly nach ihrer Entführung dafür allesamt umso mehr gebrauchen.

Vor traumhafter Kulisse entfaltet Regisseur Dominik Wessely ein spannendes, amüsantes, stets kindgerechtes Roadmovie, das von Vorurteilen, Gerechtigkeit und Freundschaft erzählt. Das schlanke Drehbuch folgt zwei Handlungssträngen, ist entweder an Nellys Seite oder an der ihrer Eltern, anstatt unnötig Umwege einzuschlagen. Die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt. Besonders die drei Nachwuchsdarsteller ergänzen sich wunderbar.

Ohne Klischees kommt freilich auch "Nellys Abenteuer" nicht ganz aus. Diese fallen aber deutlich weniger ins Gewicht als bei manch anderem cineastischen Zusammenprall der Kulturen. Immerhin ist der Oberschurke hier ein Deutscher, und die einheimische Polizei, die in anderen Familienfilmen (z.B. "Meine griechischen Ferien", "Fünf Freunde 4") gerne mal von Ganoven unterwandert ist, bleibt zum Glück ganz außen vor. Was schließlich die Situation der Roma in Rumänien betrifft, zeichnet "Nellys Abenteuer" abseits aller Lagerfeuerromantik ein äußerst realistisches Bild.

Wessely, der bislang eher für Dokumentarfilme bekannt war, setzt das mit viel Liebe zum Detail und für seine Figuren in Szene. Die Reise durch Siebenbürgen ist auch immer eine Reise zu sich selbst. Am Ende ist Nelly eine andere, hat ein differenzierteres Bild von Rumänien und von den Roma und hat begriffen, dass Coolness nicht alles im Leben ist.

Fazit: Liebevoll inszenierter Familienfilm, der durch eine ebenso spannende wie amüsante Geschichte, malerische Aufnahmen und sympathische Nachwuchsdarsteller überzeugt.





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