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Tschiller: Off Duty
Tschiller: Off Duty
© Warner Bros.

Kritik: Tschiller: Off Duty (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die "Tatort"-Folgen mit Til Schweiger als draufgängerischer Hamburger Kommissar Tschiller sind bildgewaltiger, brachialer und actionlastiger als die der ermittelnden Kollegen. Eine Kino-Umsetzung war daher im Prinzip nur eine Frage der Zeit, zumal allein der Name "Til Schweiger" in Deutschland so viele Besucher in die Kinos lockt wie kaum einer sonst. "Off Duty" ist sein insgesamt fünfter Einsatz. Bisher wurde erst einem anderen "Tatort"-Ermittler die Ehre zuteil, im Kino aktiv zu werden: Götz George als Horst Schimanski in den 80er-Jahren, dessen Ermittlungsort Duisburg war. Regie bei "Off Duty" führte der hessische Regisseur Christian Alvart, der zu den wandlungsfähigsten deutschen Filmemachern zählt. So drehte er bereits Thriller ("Antikörper"), Horrorfilme ("Fall 39") oder Science-Fiction-Werke ("Pandorum").

Wer bei Tschillers erstem Kinoeinsatz Pate stand ist hier sehr schnell klar: es ist der britische Top-Agent James Bond. Dessen Filme mit seinen traumhaft-exotischen Schauplätzen, den fiesen Bösewichten und der wilden, rasanten Action nahmen sich die Macher zum Vorbild. Mit der Qualität der Bond-Filme kann "Off Duty" zwar zu keiner Zeit wirklich mithalten – dafür sorgen dutzende Klischees, reißbrettartige Charaktere ohne Tiefe sowie die simple und vorhersehbare Story. Ein "Bond für Arme" sind der Film bzw. Tschiller aber dann auch wiederrum nicht. Dafür ist er schlicht zu unterhaltsam und professionell umgesetzt. Vor allem hinsichtlich seiner rasanten Action-Momente muss sich der Film nicht vor Hollywood oder Bond-Blockbustern verstecken. Diese gestalten sich explosiv und spektakulär. Highlights: eine großartige Verfolgungsjagd zu Fuß über den Dächern von Istanbul und eine epische, bleihaltige Schießerei, bei der Kollege Yalcin am Ende (zu Recht) fragt: "War’s das jetzt?".

Schweiger liegt die Rolle des leicht reizbaren, cholerischen Macho-Kommissars, bei dem die Sprüche locker sitzen und dem die Familie über alles geht extrem gut. Auch der Witz kommt nicht zu kurz, was sich vor allem immer wieder dann zeigt, wenn Tschiller sich in anderen Sprachen, wie etwa dem Türkischen, versucht. Zwei größere Probleme hat der Film: den Bösewichten fehlt es an Charisma und Glaubwürdigkeit, diese sind meilenweit entfernt vom Ausdruck, der Brillanz und Gerissenheit der bösen Buben aus dem Bond-Universum. Und: durchaus zu empfehlen ist es, vor dem Kinogang den ein oder anderen Tschiller-Tatort gesehen zu haben. Vorwissen ist hier freilich keine Pflicht, aber ein klarer Vorteil.

Tatort: Gelungener und blendend unterhaltender Kino-Tatort mit starkem Schweiger und spektakulärer Hochglanz-Action aber auch simpler Story und ausdruckslosen, enttäuschenden Gegenspielern.




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