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Dirty Grandpa
Dirty Grandpa
© Constantin Film

Kritik: Dirty Grandpa (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Robert De Niro ist eine Ikone und wird es wohl auch immer bleiben, da er mit Meisterwerken wie "Der Pate 2", "Taxi Driver" und "Die durch die Hölle gehen" Filmgeschichte schreiben konnte. Umso ernüchternder gestaltet sich jedoch in letzter Zeit die Rollenwahl des einst gefeierten Charakterdarstellers, der immer häufiger in qualitativ fragwürdigen Produktionen – beispielsweise "The Big Wedding" oder "Killing Season" – zu sehen ist. Mit der Brachialkomödie "Dirty Grandpa" begibt sich De Niro nun auf ein Niveau, das er früher gescheut hätte wie der Teufel das Weihwasser.

Eigentlich weiß man gar nicht, wo man anfangen soll, dermaßen unterirdisch ist das, was Regisseur Dan Mazer ("Das hält kein Jahr …!") und Drehbuchautor John Phillips hier verzapfen. Aus der moderat amüsanten Grundidee – frivoler Rentner und verklemmter Enkel stürzen sich ins Spring-Break-Treiben – entwickelt sich schon nach knapp fünf Minuten eine ermüdende Zoten- und Slapstick-Parade, die beinahe zwanghaft Geschmacklosigkeiten aneinanderreiht. Derbe Dialogpassagen und schlüpfrige Situationskomik sind für sich genommen noch kein K.o.-Kriterium, werden allerdings ganz schnell zum Bumerang, wenn sie partout nicht witzig sind.

"Dirty Grandpa" bietet zum Fremdschämen reichlich Anlass und verleitet den Zuschauer vor allem zu einer Frage: Was, um Himmels Willen, hat sich De Niro dabei bloß gedacht? Ständig sondert der von ihm gespielte Dick Kelly Fäkalausdrücke ab, die den Rentner wie einen lächerlichen, misogynen Wicht erscheinen lassen. Und immer wieder bohrt der lüsterne Witwer seinem Enkel Jason (Zac Efron) seinen Finger oder Gegenstände in den Po. Ein Gag, der schon beim ersten Mal nicht richtig zünden will. Wer ein auf die Stirn gemaltes Hakenkreuz aus Penissen brüllend komisch findet, ist definitiv im richtigen Film. Alle anderen sollten sich am besten drei Mal überlegen, ob sie für diesen Schwachsinn wirklich Geld ausgeben wollen.

Zu allem Überfluss verlassen sich Mazer und Phillips nicht nur auf den enthemmten Party-Plot, sondern bauen auch noch einen komplett durchschaubaren zweiten Strang rund um Jason, seine Klischee-Verlobte Meredith (Julianne Hough) und die niedliche Shadia (Zoey Deutch) ein. Inmitten all der Anzüglichkeiten wirken die auf diese Weise heraufbeschworenen sentimentalen Zwischentöne erst recht hohl und kalkuliert. Dasselbe gilt übrigens auch für Dicks widersprüchliche Haltung, die er Homosexuellen und Schwarzen entgegenbringt. Ist der Rentner zunächst um keine derbe Beleidigung verlegen, spielt er sich irgendwann zum Retter eines schwulen Afroamerikaners auf, was der ohnehin erschreckend dämlichen Figur jegliche Glaubwürdigkeit raubt.

Fazit: Geschmacklos, uninspiriert zusammengeschustert und kein bisschen komisch – "Dirty Grandpa" gehört zu den schlechtesten Hollywood-Filmen, die im Frühjahr 2016 auf den deutschen Leinwänden zu sehen sind.




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