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Shut In
Shut In
© Universum Film © 24 Bilder

Kritik: Shut In (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Um die Mutter-Kind-Beziehung kreisen starke menschliche Urängste. Die Mutter könnte den Nachwuchs in perfider Absicht in Lebensgefahr bringen. Sie könnte auch ihre Fürsorge einem kleinen Menschen schenken, der sich früher oder später als dämonisch oder als Psychopath entpuppt. Das Genre des Horrorfilms wäre arm dran ohne solche Albtraum-Fantasien. In letzter Zeit kamen wieder vermehrt Horrorthriller in die Kinos, die um das Unheimliche in dieser primären menschlichen Beziehung kreisen, zum Beispiel "Mama" aus dem Jahr 2013, "Der Babadook", oder auch "The Boy", in dem ein Kindermädchen die Mutterfunktion für eine Puppe übernimmt.

In diese Linie reiht sich auch "Shut In" ein, den der britische TV-Regisseur Farren Blackburn nach dem Debüt-Drehbuch von Christina Hodson inszeniert hat. Allerdings stellt sich bald heraus, dass der Film lediglich mit billigen Klischees und einer konventionellen Dramaturgie auf den Trend aufspringt. Mary hat keine eigenen Kinder, aber ihre mütterlichen Bedürfnisse gehen eine prekäre Verbindung mit ihrem Beruf als Kindertherapeutin ein. Der Stiefsohn wurde aggressiv und verhaltensauffällig, und nun möchte Mary einen kleinen Jungen mit ähnlichen Merkmalen zu sich nehmen. Überschätzt sich diese Frau, ist sie von unbewussten Problemen getrieben? Sind die Geräusche, die sie hört, gar eingebildet? Dass Mary dem angekündigten Schneesturm in ihrem abgeschiedenen Haus trotzen will, obwohl sie den pflegebedürftigen Stiefsohn bei sich hat und nervlich so angespannt ist, erscheint schon sehr unvernünftig. Man ahnt, dass es vor allem aus dramaturgischen Gründen sein muss, allerdings löst sich der Blizzard rasch in Wohlgefallen auf, wahrscheinlich weil er sich schlecht visualisieren ließ. In der klaustrophobischen Enge des Hauses bleibt die Situation nur solange halbwegs reizvoll, bis die Auflösung der Rätsel erfolgt. Danach entwickelt sich ein schematisches Katz-und-Maus-Spiel.

Und so überzeugt "Shut In" zwar nicht als Psychothriller, funktioniert aber dennoch als Horrorschocker, und zwar effektiv! Schon beim ersten Jump-Scare, für den ein Waschbär verantwortlich ist, schnellt der Adrenalinpegel hoch und daran wird sich für den Rest des Films nichts ändern. Man muss mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die nächsten Schrecken auf die gleiche Weise erfolgen werden, tuschartig, unausweichlich. Es macht einen Film aber nicht unbedingt sympathisch, wenn er den Zuschauern vorführt, wie wenig sie der Intellekt vor simplen Reiz-Reaktions-Mechanismen schützt.

Fazit: Dieser Thriller um eine nervlich belastete Kindertherapeutin, ihren pflegebedürftigen Stiefsohn und einen kleinen Patienten wirkt in psychologischer Hinsicht recht enttäuschend. Trotz des konventionellen, klischeehaften Verlaufs und einer wenig glaubwürdigen Figurenzeichnung funktioniert die Geschichte als Horrorfilm, der auf simples, aber effektives Erschrecken setzt.





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