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Kritik: El Clan (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Prämisse von "El Clan", dass sich eine scheinbar normale Familie mit Entführungen ihren Lebensstandard sichert, ist gleichermaßen erschreckend wie faszinierend. Eine besondere Brisanz erhält die Story dadurch, dass sie auf wahren Tatsachen beruht und die Puccios zumindest in Argentinien zweifelhafte Berühmtheit genießen. So verwundert es auch nicht, dass der Regisseur und Drehbuchautor Pablo Trapero viele Fakten seiner Geschichte sowie den zeitgeschichtlichen Hintergrund als bekannt voraussetzt.

Aber auch ohne genaue Kenntnisse der politische Zustände im Argentinien der 1980er Jahre entfaltet das in Rückblicken erzählte Drama schnell einen Sog und zieht das Publikum mitten in die Geschehnisse um den skrupellosen Familienvater Arquímedes Puccio und sein blutiges Geschäft. Gleich zu Beginn zeigt Trapero eine Szene, die in ihrer Machart und dem irritierenden Tonfall typisch für den gesamten Film ist: Ganz alltägliche Momente des Familienlebens verbinden sich nahtlos mit Bildern von den Verbrechen der Puccios, wenn Arquímedes etwa seine im ganzen Haus verteilten Kinder zum Abendessen holt und schließlich mit einem Teller das Badezimmer betritt – in dem ein gefesseltes und geknebeltes Entführungsopfer hockt.

Oft werden solche Szenen noch mit Pop- und Rockmusik der 80er unterlegt und entfalten dadurch eine leicht ironische, aber dennoch bedrückende Atmosphäre. Nicht das Leid der Entführten oder die grausamen Verbrechen an sich sorgen so für den Schrecken von "El Clan", sondern vielmehr die Beiläufigkeit und Gelassenheit mit der die Familie die Gewalt in ihren bürgerlichen Alltag integriert. Dieser Effekt nutzt sich allerdings nach und nach ab, Trapero verlässt sich bei der Inszenierung zu sehr auf den Kontrast von heiterem Soundtrack und düsteren Bildern.

Darüber hinaus erweist sich "El Clan" als zu einfallslos und scheint zudem nicht recht zu wissen, wovon er erzählen will. Für einen gelungenen Thriller mangelt es eindeutig an Spannung, während der Film als Familiendrama zu oberflächlich bleibt und es nicht schafft, in die Psyche seiner Figuren vorzudringen. Den dramaturgischen Schwächen können auch die soliden Leistungen der Darsteller nichts entgegenhalten, vor allem der eher als Komiker bekannte Guillermo Francella weiß aber als eiskalter Arquímedes Puccio zu gefallen.

Fazit: Trotz seiner faszinierenden, auf wahren Begebenheiten beruhenden Prämisse verliert "El Clan" schnell an Kraft und verlässt sich zu sehr auf den Kontrast von heiterer Popmusik und finsteren Bildern. Zudem schwankt der Film unentschlossen zwischen den Genres Thriller und Drama und lässt dabei sowohl Spannung als auch psychologische Tiefe vermissen.




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