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Hip Hop-eration
Hip Hop-eration
© Rise and Shine Cinema

Kritik: Hip Hop-eration (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

So mancher Zuschauer mag sich noch an den Dokumentarfilm "Young@Heart" (2007) erinnern, in dem Stephen Walker und Sally George einen Chor von Senioren porträtieren, der mit eigenwilligem Charme Pop- und Rocksongs covert. Der neuseeländische Regisseur und Drehbuchautor Bryn Evans scheint mit "Hip Hop-eration" das Erfolgsrezept des melancholischen Feel-Good-Movies nun wiederholen zu wollen und verlässt sich dabei allzu sehr auf seine charismatischen Protagonisten.

Denn wo die Einblicke in die langen sowie bewegten Leben der Tänzer und vor allem Tänzerinnen durchaus faszinieren und unterhalten können, da bleiben Inszenierung und Dramaturgie stets formelhaft. Originelle Einfälle sucht man hier vergeblich, Evans setzt ganz auf die bewährte Mischung aus Einzelinterviews, Aufnahmen der Tanzproben, umjubelten Auftritten sowie Ausschnitten aus einem Musikvideo. Die erst kurz vor Beginn der Dreharbeiten gegründete Tanzgruppe wird dabei nach Manier eines Sportfilms zum Underdog stilisiert, der Amerika erobern will und dabei allerlei Hürden überwinden muss.

Dass hier vieles zur Pose verkommt, liegt allerdings nicht nur an der fantasielosen Regie, sondern ist zu einem großen Teil der Trainerin Billie Jordan geschuldet: Im Film wird deutlich, dass das Tanzprojekt vor allem ihr Ding ist, das sie mit allen Mitteln bekannt machen möchte. Dass weder sie noch die Senioren in ihrem Team Ahnung von Hip Hop oder besonderes Interesse an der Jugendkultur haben, scheint dabei ebenso niemanden zu stören wie Jordans verklärender, letztlich bevormundender Blick auf ihre älteren Mitmenschen.

Die Bezüge zum Hip Hop wirken in "Hip Hop-eration" daher wie ein unnötiges Gimmick, das man als Zuschauer ebenso wenig ernst nehmen muss wie die Beteiligten. Die Rapkultur, aber auch die alten Menschen selber werden so immer wieder zu einer bloßen Karikatur, anhand derer sentimentale Botschaften vermittelt werden. Wo es "Young@Heart" gelungen ist, nachdenklich sowie humorvoll vom Altern und dem nahenden Tod zu erzählen und mit großartigen Performances überzeugen konnte, da kommt Evans Dokumentarfilm über ein paar müde Klischees nicht hinaus.

Fazit: Der formelhafte Dokumentarfilm setzt ganz auf bewährte Mittel, um seine sentimentale Botschaft zu vermitteln. Hip-Hop-Kultur und die alten Protagonisten verkommen dabei immer wieder zu Karikaturen, lediglich einzelne Interviewszenen können dank der charismatischen Senioren überzeugen.





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