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Ein letzter Tango
Ein letzter Tango
© Alpenrepublik GmbH Filmverleih / German Kral Filmproduktion

Kritik: Ein letzter Tango (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm des in Buenos Aires aufgewachsenen German Kral ("Der letzte Applaus") porträtiert das berühmteste Paar des Tango Argentino, María Nieves und Juan Carlos Copes. Von 1948 bis 1997 tanzten sie zusammen und eroberten die Bühnen in vielen Ländern der Welt. Nun blicken sie zurück auf diese bewegte Zeit und die Hassliebe, die sie verbindet. Ihre getrennt aufgenommenen Erzählungen werden von Reenactment-Szenen flankiert, in denen Tänzer und Choreografen den Tanzstil der beiden aufgreifen. Kral und seinem ausführenden Produzenten Wim Wenders ist ein Film voller Leidenschaft gelungen, der zeigt, wie viel Lebensgefühl im Tango steckt.

María Nieves erzählt voller Schmerz, aber auch Wehmut von ihrer Liebe zu Juan Carlos Copes. Das Mädchen aus dem Slum war zunächst mehr an dem Mann, als am Tanzen interessiert und wünschte sich eine Familie. Copes aber wollte sich nicht damit abfinden, dass der Tango nach seinen goldenen Jahren in Buenos Aires Mitte der 1950er zunehmend von Rock und neuen Tanzstilen verdrängt wurde. Er erneuerte und perfektionierte den Tanz bis zur Bühnenreife und tourte mit María Nieves durch die Welt. Er war ihr untreu, sie litt, trennte sich von ihm. Bald aber kehrte sie auf der Bühne zu ihrem Tanzpartner zurück, der inzwischen eine eigene Familie gegründet hatte. Und dann, Ende der 1990er, ließ er sie stehen, weil seine Frau ihm ein Ultimatum gestellt hatte. Aber beide tanzten weiter, mit anderen Partnern. Wenn Copes erzählt, stellt er den Tango in den Mittelpunkt, sie hingegen die Beziehung, die Liebe und den Hass, die sich auch in Tanz verwandelten. Bei diesem Paar war die Leidenschaft des Tangos keine Pose.

Kral erschafft für die Erzählungen der beiden Tänzer eine ausgefeilte visuelle Bühne. Sie präsentiert Filmaufnahmen des Paars aus seiner Glanzzeit, und Reenactment-Szenen, in denen zwei Paare – ein junges und ein reiferes – Nieves und Copes verkörpern. So sieht man die beiden als frisch Verliebte und Musical-Fans auf der nächtlichen Straße tanzen, ganz im Geist von "Singing in the Rain". María Nieves spricht mit den Darstellern und Choreografen, besucht sie am Set. Auch über die Tanzszenen hinaus ist der Film, der mit den Erinnerungen des Paares immer wieder der besonderen Atmosphäre von Buenos Aires nachspürt, erfüllt von Musik. Kral gelingt eine stilsichere, inspirierende Hommage an zwei Tango-Künstler und ihre getanzte Leidenschaft.

Fazit: Der Dokumentarfilm von German Kral über das berühmte Tango-Paar María Nieves und Juan Carlos Copes verwebt die Erinnerungen der beiden betagten Tänzer zu einem vielfältigen audiovisuellen Erlebnis, das auch Reenactment-Szenen einschließt. Er setzt dem Paar, dessen getanzte und gelebte Leidenschaft sich gegenseitig bedingte, ein würdiges Denkmal, welches das Wesen des Tangos bewegend und stilsicher erfasst.





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