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Kritik: Babai (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Babai" präsentiert den Kosovo vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges als eine in archaischen Ritualen und Strukturen erstarrte Welt, welche den Menschen kaum Luft zum Atmen lässt. Es regieren das Recht des Stärkeren und des gesellschaftlichen Standes. Kinder sind hier wenig wert und müssen nicht ernst genommen werden. Sie können sogar einfach über Bord geschmissen werden, wenn dies dem Schlepper hilft, die Küstenwache abzulenken. Als sich nach Gesims Abgang im Haus von Noris Onkel Besuch ankündigt, pöbelt der alte Mann zuerst lautstark über die Frechheit, sie bereits so früh zu belästigen. Anschließend ist er jedoch die Freundlichkeit in Person, wenn es darum geht ewige lange, rituelle Begrüßungsfreundlichkeiten auszutauschen. Dabei sieht Nori dem absurden Treiben der Erwachsenen mit wachen Augen stumm zu. Und als der Onkel zur Demonstration seiner Zärtlichkeit seinen "Lieblingsneffen" an sich drückt, zieht der dem Onkel das Geld für die Zwangsheirat des Sohns aus der Tasche und macht sich damit auf der Spur seines Vaters in Richtung Deutschland davon.

"Babai" ist ein Film, der wenig erklärt, aber dabei zugleich sehr viel zeigt. In dem von Visar Morina geschriebenen und inszenierten Drama, betrachtet der Zuschauer die Welt aus dem kindlichen Blick des aufgeweckten Nori heraus. Dem mögen einige der größeren politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge entgehen. Aber die Menschen in seiner direkten Umgebung durchschaut er dafür mit umso größerer Klarheit. In langen, ruhigen Einstellungen von einem fast dokumentarischen Duktus folgt der Filmemacher der Odyssee dieses Kindes durch eine verrückt gewordene Welt. Während die Menschen um ihn herum Nori nicht für voll nehmen und nach besten Kräften auszunützen und zu betrügen versuchen, will er nur eins: Einen Papa ("Babai"), der wirklich für ihn da ist.

Fazit: Mit dem wachen Blick eines Kindes zeigt "Babai" eine Welt der Erwachsenen, die aus den Fugen geraten und gänzlich verantwortungslos geworden ist.





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