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Kritik: Love (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Gaspar Noé ist ein umstrittener Mann: Den einen gilt er als genialer Kultregisseur, für die anderen ist er bloß ein eitler Aufschneider, dessen Provokationen außer einer Steigerung des eigenen Marktwerts nicht viel bewirken. Dass die neue Produktion des Filmemachers, der in der Vergangenheit vor allem mit einer drastischen Vergewaltigungsszene von sich reden machte, nun ausgerechnet "Love" heißt, kann da schon ein wenig überraschen.

Fast schon vorhersehbar ist hingegen, dass Noé seinen Film dem eher beliebigen und harmlosen Titel zum Trotz mit Bildern beginnt, die nicht jugendfrei sind. In einer langen Einstellung zeigt der Regisseur einen Mann und eine Frau, die sich gegenseitig befriedigen. Obwohl der Penis des Hauptdarstellers Karl Glusman klar zu sehen ist, hat diese Szene jedoch nichts Pornografisches an sich. Der Blick der Kamera bleibt distanziert und beinahe kühl, während der orchestrale Soundtrack dem dargestellten Geschlechtsakt eine irritierende Melancholie entgegenhält.

Noch zahlreiche weitere Sexszenen sollen dieser ersten folgen. Sie alle sind kunstvoll ausgeleuchtet und fotografiert und zeigen nichts, was man so im Arthouse-Kino nicht schon gesehen hätte. Beinahe brav wirken die Aufnahmen, wenn man sie mit dem bisherigen Schaffen Noés vergleicht: Schamlippen etwa sind hier immer vom dichten Schamhaar oder einem Kopf verdeckt, lediglich den Penis inszeniert Noé mit sichtlicher Freude als heimlichen Hauptdarsteller.

Und so hat "Love" viel von der Fantasie eines Jungen, der sich an sich selbst erregt und dem die Frauen sowie ihre Körper und Sehnsüchte dabei vollkommen fremd bleiben. Dass die geheime Sexfantasie der Freundin des Protagonisten ausgerechnet sein soll, mit ihm und einer Blondine Sex zu haben, ist so abgeschmackt wie durchsichtig und verrät das simple Gemüt dieses Films.

Noch einfacher gestrickt ist allerdings der lachhafte Plot, der von einer Dreiecksbeziehung erzählt und dabei kein Klischee auslässt. Die schwachen Darsteller können diesem Kitsch nichts entgegenhalten, mit ihrem flachen Spiel verstärken sie die unfreiwillige Komik, die den Film durchzieht und bisweilen sogar amüsant macht, zusätzlich.

Die in Episoden aufgebrochene Handlung, die Jump-Cuts, Schwarzbilder und selbstironischen Anspielungen auf das Kino sowie Noés Person lassen vermuten, dass der Filmemacher "Love" als kunstvolle Meta-Betrachtung begreift. Mehr als an große Filmkunst erinnert das Drama allerdings an in Plastik verpacktes Fleisch aus dem Supermarkt: Die oftmals in sinnliches Rot getauchten Bilder von Kameramann Benoît Debie versprechen Genuss, aber kaschieren letztlich doch nur, dass es sich hier um zähe Massenware handelt.

Fazit: Gaspar Noé verbindet in "Love" eine kitschige, schlecht gespielte Geschichte mit zahlreichen Sexszenen. Die vermeintlichen Provokationen sind dabei so abgeschmackt wie durchsichtig und bedienen letztlich bloß eine simple Jungsfantasie.





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