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Voll auf die Nuss
Voll auf die Nuss
© Kinostar © Splendid Film

Kritik: Voll auf die Nuss (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Animationsfilm von Regisseur Ross Venokur versucht einen gewagten Spagat: Er steckt verschiedene Waldtiere in menschliche Kostüme und lässt sie ein wenig "Ocean's Eleven" spielen, mit coolen Sprüchen und reichlich Einbrecher-Knowhow. Dabei dient ihr illegaler Coup einem höchst legitimen Zweck: Die Eicheln im Wald sind die Nahrung der Tiere und dürfen nicht von den Menschen für eine Kosmetikcreme zweckentfremdet werden. Solchermaßen zwischen Heist-Movie und Kinderfilm, Cleverness und Naivität schwankend, wirkt das knallbunte Abenteuer zwar sehr originell, aber nicht zielgruppengerecht. Mit seiner komplizierten Handlung und der lässigen Sprache bewegt es sich zu sehr in der Welt der Erwachsenen.

Schon die Kostüme verorten die Waldtiere im Universum des "Rat Pack" um Frank Sinatra, der im Originalfilm "Ocean's Eleven" aus dem Jahr 1960 die Hauptrolle spielte. Eichhörnchen Frankie trägt nicht umsonst seinen Namen, auch sein schicker Anzug und der Hut auf seinem Kopf erinnern deutlich an das Hollywood-Vorbild. Sogar das schelmische Lächeln könnte von Sinatra stammen. In Las Vegas singt Frankies schöne Lola jazzige Lieder. Frankie holt den reichen Dachs Bellwood, auch "Das Geld" genannt, ins Boot. Der Zigarrenraucher sitzt in seinem gemütlichen Morgenmantel in einer todschicken Penthouse-Wohnung hoch oben auf einem Baum im Wald. Er hat sogar einen stilecht gekleideten Butler, den Igel Oscar. Der Frosch Edsy erinnert mit seinem Tweed-Käppi und den Karohosen an eine Gestalt aus den fünfziger Jahren, während die Schlange Raitch als Computerhackerin die junge Generation repräsentiert. Auch ein Parcoursläufer mit französischem Akzent, eine Fledermaus und zwei auf das Graben von Tunnels spezialisierte Schuppentiere aus China stoßen zu Frankies Team. Sie werden alle im Steckbriefstil mit einem Schnappschuss, Namen und Spitznamen vorgestellt. Nun gilt es, die bösen Menschen, die ihr Fabrikgelände mit Ultraschall, einem Habicht als Wachvogel, mit Zäunen und Kameras abgesichert haben, nach allen Regeln der Kunst auszutricksen. Hierbei verirrt sich der Film jedoch beinahe in raffiniert-ausgeklügelten Details, denen man kaum noch zu folgen vermag.

Visuell schwelgt der Film in starken Farben: So sind zum Beispiel die Baumstämme im Wald rosa oder lila – je nach Lichteinfall -, und am Boden liegt rotes Herbstlaub. Die starken optischen Reize und die teilweise sehr gelungene Animation der Tiere halten die Aufmerksamkeit lange hoch, aber die Inszenierung wirkt seltsam unausgegoren und die Geschichte kommt atmosphärisch nicht richtig in Fahrt.

Fazit: Die animierte Geschichte übersetzt mit ihren Tierfiguren die Welt von "Ocean's Eleven" in ein Heist-Movie für Kinder, wirkt dabei aber für die junge Zielgruppe recht kompliziert und in ihren Anspielungen zu anspruchsvoll. Ihr Ideenreichtum überzeugt am ehesten in der farbenfrohen visuellen Gestaltung, während er inhaltlich einen unharmonischen Eindruck hinterlässt.





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