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Familie zu vermieten
Familie zu vermieten
© Studiocanal

Kritik: Familie zu vermieten (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der französische Regisseur Jean-Pierre Améris ("Die Anonymen Romantiker") hat eine vergnügliche Komödie inszeniert, die zwei Menschen aus ganz verschiedenen sozialen Schichten zusammenführt. Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass das Paar nur so tut, als hätte es eine Liebesbeziehung. In Wahrheit aber führt es ein vertraglich geregeltes Familienexperiment durch. Weil Paul-André genug Geld hat, kann er sich auch so etwas leisten. Tagaus, tagein will er nun die Wohnung mit einer fremden Frau und ihren Kindern teilen, um zu sehen, ob er überhaupt die Gründung einer eigenen Familie anstreben soll. Benoît Poelvoorde spielt den linkischen, steifen Singlemann sehr witzig und überzeugend, vor allem aber auch als die perfekte Kontrastfigur zur lebhaften Violette. Virginie Efira schenkt der leicht trashigen Frau eine liebenswerte Natürlichkeit, die sie zum emotionalen Mittelpunkt der Geschichte werden lässt.

Paul-André, der sich in seiner Riesenvilla mit Butler so langweilte, sitzt nun irritiert in einer unaufgeräumten Küche, in der alle durcheinanderreden. Violette streitet lautstark mit der aufmüpfigen Teenie-Tochter, der jüngere Sohn Auguste spielt mit Paul-Andrés Handy und die Kühlschranktür geht ständig auf. Paul-André findet lange nicht richtig in diese Familie hinein, in der alles so anders läuft, als er es sich vorgestellt hatte. Die Kinder, die im Glauben gelassen werden, dass Paul-André und Violette verliebt sind und von dem Experiment nichts wissen, mustern den merkwürdigen Fremden misstrauisch. Er ist so anders, als Mutters bisherige Bekanntschaften, man könnte ihn gar als ein wenig weltfremd bezeichnen. Im Haushalt, im Umgang mit den Kindern, bei der Gestaltung der Abende und in Bezug auf die sozial schwache Verwandtschaft finden Violette und Paul-André beständig Grund für Reibereien. Dieser Zusammenprall der gegensätzlichen Milieus wird für einfallsreichen, spritzigen Dialogwitz genutzt.

Obwohl die Geschichte an sich eher unspektakulär ist und auch das Liebesthema nicht allzu intensiv beackert wird, sorgt sie scheinbar mühelos für gute Laune. Sie beschreitet einen Mittelweg zwischen Gefühl und Klamauk, wirkt dynamisch und geht mit ihren Figuren wenig zimperlich um. Dabei entsteht eine ziemlich glaubhafte Atmosphäre, ungeachtet der Tatsache, dass sich solche Geschichten im wahren Leben eben nicht ereignen. Aber vielleicht lässt sich ja ein Scheibchen dieser experimentierfreudigen Naivität aus dem Kino mitnehmen und im Gemüt abspeichern.

Fazit: In dieser witzigen französischen Komödie spielen Benoît Poelvoorde und Virginie Efira zwei Menschen aus sehr verschiedenen sozialen Milieus, die das Familienleben auf Zeit erproben, ohne sich zu lieben. Romantische Verwicklungen sind dennoch möglich, falls der Singlemann im chaotischen Haushalt der Alleinerziehenden nicht die Nerven verliert. Die guten darstellerischen Leistungen und der kernige Humor verwandeln die unbekümmert naive Geschichte in ein kurzweiliges Filmvergnügen.




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