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8 Sekunden - Ein Augenblick Unendlichkeit
8 Sekunden - Ein Augenblick Unendlichkeit
© Warner Bros.

Kritik: 8 Sekunden - Ein Augenblick Unendlichkeit (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"8 Sekunden" ist der erste Film des türkischen Regisseurs Ömer Faruk Sorak seit vier Jahren. Produziert wurde das Liebes-Drama von keinem geringeren als Til Schweiger, der Gefallen an der auf (wagen) wahren Begebenheiten basierenden Story fand. Der Hintergrund: Hauptdarstellerin Esra Inal spielt sich hier letztlich selbst. Sie ist keine Schauspielerin und stand auch noch nie vor einer Kamera. Im wahren Leben ist die Berlinern Traumdeuterin. In ihren Träumen und den Träumen anderer, erkennt sie Botschaften sowie bestimmte Symbole und Zeichen und ist in der Lage, darin die Zukunft zu lesen bzw. zu deuten. Zufällig wurde ein Filmteam im Rahmen ihrer Traum-Seminare, die sie auf der ganzen Welt anbietet, auf sie aufmerksam und entschloss sich, ihre Geschichte zu verfilmen und in die Kinos zu bringen.

Fans von esoterisch und spirituell angehauchten, sich auf große Sinnsuche begebenden Filmen könnten an "8 Sekunden" durchaus ihre Freude haben. Oft erinnert das Werk in seinen Fragestellungen und den (oft lediglich nur angeschnittenen) Themen an das Metaphysische und Transzendentale der Filme eines Terrence Malick ("Tree of life", "Knight of Cups"), optisch jedoch könnte "8 Sekunden" aber nicht weiter von Malick entfernt sein. Hier scheint sich Regisseur Sorak vor allem die Werke eines Tarsem Singh zum Vorbild genommen zu haben, genauer, die betörenden Bilderwelten und surrealen visuellen Kompositionen von "The Cell" (2000) mit Jennifer Lopez. Mit dem Unterschied jedoch, dass es Sorak hier mit seiner Symbolträchtigkeit und dem über jegliche Stränge schlagenden Pathos mehr als übertreibt.

Wenn Hauptfigur Esra mit wehendem Haar, halbnackt und strahlendem Gesicht in einem mystischen Blätterwald umher tanzt, in einer Wüstenlandschaft vor imposant-monumentalen Pyramiden und Gebäuden steht oder urplötzlich brüllende Löwen vor einem brennenden Hintergrund auftauchen - das Ganze überzogen dramatisch in Zeitlupe präsentiert - dann fragt man sich als Zuschauer schon: hat hier jemand seine Träume vielleicht zu ernst genommen und den Fehler begangen, sie eins zu eins ins Bilder zu übersetzen anstatt Träume auch mal Träume sein zu lassen? Dieser jemand ist Hauptdarstellerin Esra Inal, die den Film auch ein Stück weit als Bühne für ihre Kunst der Traumdeutung und damit als Werbefilm für sich selbst und ihre Dienstleistung zu nutzen versucht. Jedenfalls kann man sich dieses Eindrucks nur schwer erwehren. Diesen Vorwurf muss sie sich gefallen lassen.

Inhaltlich kann sich der Film lange nicht zwischen Sozialdrama (in der ersten Hälfte) und romantischer Liebeskomödie (in der zweiten Hälfte) entscheiden, zudem ist der Film mit seinen 120 Minuten mindestens eine halbe Stunde zu lang geraten. Immerhin machen die Darsteller ihre Sache solide, allen voran Fahri Yardim kann als charmanter, charismatischer "Dream"-Boy punkten.

Fazit: Spirituell-überhöhter, in seinen betörenden, surrealen Bilderwelten überfrachteter Traumdeutungs-Werbefilm mit immerhin passablen Darsteller-Leistungen.




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