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7 Göttinnen
7 Göttinnen
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Kritik: 7 Göttinnen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Spielfilm des indischen Regisseurs Pan Nalin ("Samsara") beginnt wie einer dieser fröhlichen Junggesellenabschiede, die nicht nur Männer, sondern auch Frauen im Kino der letzten Jahren gerne feiern. Vor ihrer Hochzeit lädt Freida ihre besten Freundinnen in ihr Haus im malerischen Küstenstaat Goa: Die attraktiven und sozial privilegierten jungen Frauen, die sich aus Collegezeiten kennen, wollen sich gemeinsam ihres Lebens und ihrer Freiheit freuen. Doch in ihren Gesprächen und auch vor der Haustür offenbart sich, wie sehr sie mit Männern zu kämpfen haben, die Frauen nicht respektieren. Nach einer langen Aufwärmphase schwenkt der Film auf einen grimmigen Kurs der Anklage gegen sexuelle Gewalt in Indien ein.

Freida und ihre Freundinnen kleiden und benehmen sich so unbefangen, wie es junge Frauen überall in der westlichen Welt tun. Joanna, die in England aufwuchs, eckt am Set eines Bollywoodfilms an, weil sie instinktiv in einer Szene zuschlägt, in der sie von Männern attackiert wird. Lakshmi tut das Gleiche, als ihr ein Mann auf der Straße obszöne Dinge nachruft. Und auch die Sängerin Mad geht auf Männer los, die ihren Auftritt in einem Lokal auf üble Weise stören. Die Vorstellungen zu Anfang der Geschichte zeigen emanzipierte und selbstbewusste Frauen, die sich nicht kleinmachen, wenn Männer das fordern. In den heiteren Stunden in Freidas Haus wirkt die Geschichte eine Weile eher oberflächlich. Dabei hat sie es vor allem auf schöne Bilder unbeschwerten Spaßes abgesehen. Doch dann gewinnen die zunächst flach wirkenden Charaktere doch Kontur, je mehr sie sich im Gespräch öffnen. Diese Tage in ihrem Refugium der Freundschaft tun den Frauen sichtlich gut, aber es kommt der Tag, der ihr Gefühl der Sicherheit mit einem Mal zerstört.

Mit seiner bitterbösen, ungeschminkten Konsequenz verweigert sich der Film jeder Gefälligkeit. Seine Handlung wühlt umso mehr auf, als sie sich lange von der Aufbruchstimmung der Frauen leiten lässt. Sie wollen sich ein Beispiel an der Göttin Kali nehmen, die alles zerstören kann, wenn sie zornig wird, und die damit einen radikalen Neuanfang ermöglicht. Für einen solch grundlegenden Wandel der Geschlechterhierarchie in der indischen Gesellschaft, in der alle 20 Minuten eine Frau vergewaltigt wird, plädiert der Film. Sein Aufbau, der zunächst holprig und unschlüssig wirkte, stellt sich als kraftvolle und aufrüttelnde Argumentation in mehreren Schritten heraus. Ein sehenswerter Film mit großen emotionalen Kontrasten, der die brutale Wirklichkeit nicht beschönigt.

Fazit: Eine indische Junggesellinnenparty trotzt der frauenfeindlichen Stimmung in der Gesellschaft, wird aber von der grimmigen Realität eingeholt. Der aufwühlende Spielfilm von Pan Nalin gerät zu einem flammenden Appell, sexuelle Gewalt gegen Frauen in Indien und das dahinterstehende diskriminierende Rollenverständnis offensiver zu bekämpfen.





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