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Kritik: Why Him (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wenn Väter zum ersten Mal auf ihre zukünftigen Schwiegersöhne treffen oder ihre geliebten Töchter in die Arme eines ungeliebten Mannes entlassen, birgt diese Ausgangssituation im Grunde ausreichend Reibung für eine gelungene Komödie. Spencer Tracy war in "Vater der Braut" (1950) und "Rat mal, wer zum Essen kommt" (1967) gleich zwei Mal in dieser Lage. Steve Martin und Bernie Mac nahmen seinen Platz 1991 und 2005 in den Remakes ein. Robert De Niro gab den grantigen Patriarchen in "Meine Braut, ihr Vater und ich" (2000), bei dem "Why Him?"-Regisseur John Hamburg mit am Drehbuch schrieb. Hamburgs jüngste Komödie wirkt wie eine Variation all dieser Filme, wobei hier der schwerreiche Schwiegersohn anstelle der Brauteltern zum Essen lädt.

Um das Konfliktpotenzial zwischen dem zukünftigen Schwiegervater Ned (Bryan Cranston) und Schwiegersohn Laird (James Franco) zu steigern, überzeichnet Hamburg mit seinem Koautor Ian Helfer die Figuren und die Situation gnadenlos. Während Ned als Besitzer einer Druckerei im strukturschwachen Michigan in einer sterbenden Branche arbeitet, bastelt Laird in seiner komplett digitalisierten, papierlosen Villa im progressiven Silicon Valley an der Zukunft. Und während Ned konservativ denkt und reichlich zugeknöpft daherkommt, ist der Freund seiner Tochter Stephanie (Zoey Deutch) ein offenherziger Freigeist, der weder Scham noch Taktgefühl besitzt. Warum Stephanie auf diesen schrägen, nicht gesellschaftsfähigen Typen steht? Weil er sie irgendwie an ihren Vater erinnert.

Das ist ebenso einfallslos und vorhersehbar wie der Rest der Handlung. Laird setzt sich selbst ein Ultimatum für seinen Heiratsantrag, den Ned fortan fleißig torpediert. Im Grunde fehlt dem Milliardär bei all seiner Taktlosigkeit aber nur ein Vater, der ihm die Dinge des Lebens beibringt. Und da Neds Druckerei eine kräftige Finanzspritze fehlt und Laird das nötige Kleingeld mitbringt, sind am Ende alle glücklich. Da leider auch die Gags reichlich vorhersehbar sind, ist das Publikum weitaus weniger erfreut. Hier verlassen sich Hamburg und Helfer zu sehr auf drei Komponenten: auf schlecht getimte Slapstickeinlagen zwischen Laird und seinem Assistenten Gustav (Keegan-Michael Key), auf die Tücke des Objekts, wenn die Eltern aus dem Mittleren Westen mit der modernen Technik des Hauses nicht zurechtkommen, und auf einen Gastgeber zum Fremdschämen.

Damit steht "Why Him?" in einer langen Reihe mit unzähligen US-Komödien, die immer weniger auf glaubwürdige Charaktere, Charme und Dialogwitz setzen. Stattdessen setzt es in "Why Him?" verbale und körperliche Entgleisungen und jede Menge Körperflüssigkeiten, dieses Mal von einem Elch. Ganz so vulgär wie im vergangenen Jahr bei "Dirty Grandpa" und "Bad Santa 2" geht es zwar nicht zu, aber auch "Why Him?" schafft es, jede der wenigen gelungenen Pointen durch eine unnötig angeschlossene Zote zu zerstören. Und weil auch Bryan Cranston und James Franco weit von ihrer Bestleistung entfernt bleiben, ist John Hamburgs Film am Ende nicht zu retten.

Fazit: "Why Him?" setzt voll auf brachialen Slapstick und derbe Sprüche. Wer über "Bad Neighbors", "Dirty Grandpa" und "Bad Santa 2" lachen konnte, wird auch hier seinen Spaß haben. Wer von einer guten Komödie glaubwürdige Charaktere und feinen Dialogwitz erwartet, sollte einen weiten Bogen um diesen Film machen.





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