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Kritik: Heart of a Dog (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Laurie Anderson ist weit mehr, als nur die Witwe ihres 2013 verstorbenen Sängers Lou Reed. Sie ist eine Sängerin, Performance-Künstlerin und Filmemacherin, die bereits mit berühmten kreativen Querköpfen wie William S. Bourroughs, Peter Gabriel, Jean Michel Jarre, John Cage und Philip Glass zusammengearbeitet hat. 1981 erreichte ihre Single "O Supermann" den Platz 2 der britischen Charts, 1977 und 1987 nach sie als Künstlerin an der Dokumenta in Kassel teil. Laurie Andersons Beziehung zu Lou Reed kann somit in einem Atemzug mit der von Yoko Ono zu Lohn Lennon genannt werden.

Dass sie tatsächlich erstaunlich viel zu sagen hat, beweist die Künstlerin in "Heart of Dog" praktisch mit jedem Satz ihres als einen konstanten Redefluss die Bilder begleitenden Monologs. In ihren mit ruhiger Stimme vorgetragenen Äußerungen erscheint Anderson zugleich als eine sehr genaue Beobachterin, als eine unkonventionelle Macherin und als eine Denkerin, die sich gerne mit den letzten Fragen der Menschheit beschäftigt. Ebenso vielschichtig, wie Andersons Gedankengänge sind auch ihre bildlichen Darstellungstechniken. Dies reichen von animierten künstlerischen Zeichnungen, über banales Filmmaterial aus dem Familienarchiv, hin zu abstrakten visuellen Improvisationen und zu Dingen, wie die Visualisierung der Welt aus der Sicht eines Hundes.

Der Hund, auf den sich auch der Filmtitel bezieht ist Andersons Terrier Lolabelle. Diesen stellt die Künstlerin als die neben ihrem verstorbenen Mann zweite große Liebe ihres Lebens vor, wobei letzterer nur ein einziges Mal am Rande im Bild erscheint. dafür sehen wir Lolabelle beim Wandern mit Frauchen in den sonnigen Bergen Kaliforniens, beim öffentlichen Klavierspielen bei einer Veranstaltung von Tier-Aktivisten und beim würdevollen Sterben in der heimischen Wohnung. Diese Betrachtungen sind mal banal und mal erstaunlich, aber immer sichtlich mit viel Herz vorgetragen. Sie dienen Anderson jedoch nur als ein Ausgangspunkt über vielfältigste Reflexionen zu ihrem persönlichen Leben bis hin zum tieferen Wesen von Liebe, Sprache, Leben und Tod an sich. Diese haben die Form eines freien Bewusstseinsstroms, der so in poetische Bilder eingebunden wird, dass mit der Zeit ein geradezu magischer Sog entsteht.

Fazit: "Heart of Dog" ist ein poetischer "stream of consiousness", der vom blinden Klavier spielenden Hund der Künstlerin bis hin zu den Grenzen der Sprache reicht.




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