VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Treppe Aufwärts
Treppe Aufwärts
© missingFilms

Kritik: Treppe Aufwärts (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Mia Maariel Meyer nimmt sich einer oft schamvoll verschwiegenen, aber sehr ernsten Form der Abhängigkeit an, der Spielsucht. Diese hält, zusammen mit der von ihr verursachten Verschuldung und gefolgt von der Verlockung, die blinkenden Automaten zu knacken und so das große Geld zu machen, eine Drei-Generationen-Familie im Griff. Das wortkarge, verhaltene Drama fördert Schritt für Schritt die Lebens- und Beziehungslügen von Großvater, Vater und Sohn zutage. Meyer verwirklichte den Spielfilm mit Crowdfunding-Mitteln, was auch beweist, wie wichtig vielen Menschen dieses Thema ist.

Warum er denn nicht selbst spiele, wenn sein Trick so gut funktioniere, fragt Ben den Ganoven, der eine Art Lizenz zum Gewinnen verkauft. Wer sich auf das Spiel erst einlasse, den steuere es bald, lautet seine Antwort. Und tatsächlich bestätigt nicht nur Adams Vater mit seinem ständigen Schwärmen vom großen Gewinn den Suchtfaktor, sondern offenbar auch der Hauptcharakter selbst. Adam fährt nie Taxi, sondern hockt immer vor den Automaten. Aber wenn die Geräte eine Münzkaskade nach der anderen für ihn ausspucken, dämmert dem Zuschauer, dass Adam nicht nur einfach spielt. In dieser Männerfamilie, das zeigt sich, je mehr der Film in die Tiefe geht, sind die Beziehungen auf eigentümliche Weise vom Thema Geld, sowie der Sehnsucht nach finanzieller Erlösung und nach Liebe geprägt. Das Ausloten der Verstrickungen hat seinen Reiz, zumal Adam, wenn er seinen Sohn vor der Kriminalität bewahren will, seine eigenen krummen Touren zugeben muss. Und so geht es in dieser Geschichte auch um eine familiäre Schweigespirale. Adam muss lernen, sich zu öffnen, zum Beispiel auch im Kontakt mit der Kellnerin Dosie (Karolina Lodyga), die er liebt.

Die männlichen Charaktere der Familie sind relativ gut gezeichnet, so der alte, schusselige Woyzeck und der rebellische Teenager. Nur Adam selbst kommt vor lauter Pflicht und Verantwortung dem Vater und dem Sohn gegenüber kaum noch zu einer eigenen Persönlichkeit. Es wird mehr nachgedacht als geredet in diesem Film, in dem eine gedrückte Stimmung herrscht und sich das Licht schon wegen der vielen Nachtszenen rar macht. Sobald das dramatische Muster der Handlung zutage tritt, wirkt sie im weiteren Verlauf etwas langatmig. Dieser Eindruck wird zusätzlich inszenatorisch verstärkt, indem sich die Figuren in einzelnen Szenen unrealistisch lange und still den Kopf über das Geschehen zerbrechen. Etwas mehr innere Glaubwürdigkeit und Lebhaftigkeit hätte der Geschichte schon gutgetan, die an sich so schön das Prinzip der Weitervererbung familiärer Probleme aufzeigt.

Fazit: Das engagierte, stilvoll inszenierte Drama der Regisseurin Mia Maariel Meyer erzählt davon, wie die Spielsucht eine Drei-Generationen-Familie belastet. Wortkarg und zuweilen etwas zu sehr auf die bedrückende Atmosphäre fixiert, suchen vor allem der Sohn und der Enkel einen Ausweg aus der Selbstverleugnung und Schönfärberei.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.