VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Beti und Amare
Beti und Amare
© Aries Images

Kritik: Beti und Amare (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit nicht einmal 10.000 Dollar Budget wurde die Mischung aus Fantasy, Drama, Science-Fiction und Ethno-Märchen vom Do-it-yourself-Filmemacher Andreas Siege, der in Nairobi geboren wurde und seine Kindheit zwischen Europa und Afrika verbrachte, gedreht. Nachdem Siege bereits als Jugendlicher erste Kurzfilme inszenierte, studierte er "Creative Writing" und "Film" in Kanada. "Beti und Amare" ist der erste in Äthiopien angesiedelte Science-Fiction-Film überhaupt und verbindet eine fiktive, traumartige Story vor dem Hintergrund realer Begebenheiten der wechselhaften Geschichte des Landes. Seine Weltpremiere feierte das Werk 2014 auf dem internationalen Filmfestival in Moskau, es folgten viele weitere Einladungen zu internationalen Film-Festivals.

Regisseur Siege schafft mit seinem märchenhaften, von einer surrealen Bildsprache durchzogenen Debüt, das zudem Liebesfilm- und Horror-Elemente aufweist, eine bemerkenswerte filmische Arbeit, der zwei Dinge gelingen: zum einen beweist der Film, dass sich mit minimalen Produktionskosten (einem "No-Budget" wie es offiziell heißt) und aus einer einfachen, reduzierten Story mit Kreativität und Einfallsreichtum magische Bilder auf die Leinwand zaubern lassen. Zum anderen weist der Film ganz nebenbei noch auf die schwierige Lage der Frau in afrikanischen Ländern, vor allem in Ostafrika, hin. Diese besteht heute nach wie vor und ist nicht selten geprägt von sexueller Gewalt, Unterdrückung und gesellschaftlicher Ächtung. Frauen sind aufgrund der traditionellen und kulturellen Gegebenheiten eine besonders benachteiligte und darum gefährdete Gruppe, vor allem auch in Äthiopien.

Siege siedelt die Handlung allerdings im Abessinien (heute das Staatsgebiet Äthiopiens und Eritreas) des Jahres 1936 an, womit der Regisseur gleichzeitig noch auf ein filmisch bisher wenig beachtetes und berücksichtigtes Thema hinweist, ein dunkles Kapitel in der Geschichte des ohnehin bitterarmen Landes: die Besetzung und Invasion durch das faschistische Italien unter Mussolini, die vom Einsatz von Giftgas und dem brutalen Vorgehen der Besatzer geprägt war. Zu Beginn des Films und auch im weiteren Verlauf streut Siege immer wieder Originalaufnahmen jener Zeit ein. Regelrecht hoch künstlerisch muten die weitere Inszenierung ebenso wie die virtuelle Ausgestaltung und Bildsprache des Film an: es wechseln sich kunstvolle schwarz-weiß-Bilder mit farbenprächtigen Aufnahmen und Sequenzen ab, immer wieder erscheinen auch nur einzelne Elemente und Gegenstände farbig bzw. farblich verfremdet, wie etwa eine Blume im Haar von Beti (diese Szene lässt an das Mädchen im roten Mantel in Spielbergs Schwarz-Weiß-Film "Schindlers Liste" denken).

Sciene-Fiction-Versatzstücke treten mit dem Zeitpunkt des Absturzes des "Raumschiffs" vom Himmel deutlich zu Tage. Eine Art Geschenk Gottes zum richtigen Zeitpunkt, da dieser Vorfall einige gewaltbereite Einheimische davon abhält, die junge Frau zu vergewaltigen. Zu einer sanften, melancholischen Liebes- und Annäherungsgeschichte entwickelt sich der Film, je mehr Zeit Beti mit dem im Raumschiff befindlichen Wesen verbringt. Die Bilder auf der Leinwand werden zunehmend mehrfarbig, so, als ob das extraterrestrische Mischwesen endlich wieder Glück und Freude – und damit Farbe – ins Leben von Beti bringt.

Fazit: Visuell betörendes, mit einer Mischung aus monochromen und vielfarbigen Bildern ausgestattet Fantasy-Science-Fiction-Märchen, das gekonnt zwischen Traum, Wirklichkeit und der tragischen Geschichte bzw. Vergangenheit eines ganzen Landes pendelt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.