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Outside The Box
Outside The Box
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Outside The Box (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Philip Koch und sein namhaftes Darsteller-Team drehten den Film u.a. in der Nähe des bayerischen Ammersees und in der Natur-Idylle Südtirols. Dort ist der Film auch angesiedelt. Der 33-jähirge Koch ist kein Neuling, so schrieb u.a. das Drehbuch für den diesjährigen Social-Media-Horrorhit "Unfriend" und konnte mit seinem Filmdebüt, dem von der Kritik gefeierten Gefängnis-Drama "Picco" (2010), bereits einen ersten Erfolg verbuchen. Mit seiner Co-Autorin Anna Schneider recherchierte er im Vorfeld der Dreharbeiten ausgiebig im Milieu der Unternehmensberatungen und führte einige Gespräche mit Vertretern dieser Zunft. Die Rollen im Film übernahmen bekannte, erfolgreiche Gesichter aus deutschen Kino- und TV-Produktionen, darunter u.a. Samuel Finzi ("Tatort", "Bella Block"), Lavinia Wilson ("Männertag") und Frederick Lau ("Victoria", "Oh Boy").

Die gelungene Besetzung ist das Herzstück des Films. Hier bewies Regisseur Koch ein glückliches Händchen bei der Darstellerwahl und charakterlichen Ausgestaltung der Figuren. Volker Bruch gefällt als unter mangelndem Selbstbewusstsein leidendes, naives Greenhorn, das es nach drei Jahren im Betrieb immer noch nicht zum Senior Consultant gebracht hat. Er lässt sich alles gefallen, fühlt sich oft nicht ernst genommen und sieht daher die Teambildungs-Maßnahme als willkommene Chance an, dem Arbeitgeber zu zeigen, was in ihm steckt. Herrlich unsympathisch kommen Lavinia Wilson als rücksichtslose PR-Frau Kramer und Samuel Finzi als unfähiger Firmen-Psychologe daher, die alles dafür tun, um das aus dem Ruder laufende Schauspiel der Presse als gewollte Realität zu verkaufen. Wilson hat immer dann die besten Szenen und meisten Lacher auf ihrer Seiten, wenn sie versucht, das nun tatsächlich geforderte Lösegeld zu beschaffen.

Denn dieses befindet sich ausgerechnet unter dem Bett vom Firmen-Boss (Hanns Zischler), der sich als großkotziges, egomanisches und (wie Kramer bald feststellen muss) dauergeiles Monster in Menschengestalt erweist. Überhaupt bleiben der bissige, satirische Humor ebenso wenig auf der Strecke wie die unzähligen Anspielungen und Querverweise auf unsere von Kapitalismus, Konkurrenzdruck und Raffgier geprägten Arbeitswelt. Die Wirtschaft- und Arbeitswelt der steifen Anzugträger, dauererreichbaren "High Professionals" und egoistischen Karrieristen, nimmt der Film auf herrlich verschrobene Art und immer wieder extrem schwarzhumorig aufs Korn. Allein bei den (Fach-) Gesprächen der Kollegen untereinander auf der Busfahrt zum Event-Ort oder in den Szenen, in denen Kramer und ihr Psychologe der Presse gegenüber die Vorzüge, Ziele und auch Bedeutsamkeit eines solchen Rollenspiels darlegen, wird klar: die Macher haben ihre Hausaufgaben gemacht, Fachjargon, die gestelzte Ausdrucksweise und das allgegenwärtige Schleimen, Lügen und Betrügen erscheinen jederzeit glaubhaft.

Gut ist auch, dass der Film (neben dem Entführungs-Prozedere bzw. der Geiselnahme) über ein weiteres interessantes Konfliktfeld verfügt: durch den auf Kramer lastenden Druck, den Schein gegenüber der Presse zu wahren, entsteht somit quasi ein zweiter, spannender "Kriegsschauplatz".

Fazit: Bissige, großartig besetzte Satire auf den Leistungs- und Konkurrenzdruck sowie den Gewinnmaximierungs-Wahn in unserer heutigen (Wirtschafts- und Arbeits-) Welt mit vielen treffsicheren Pointen.




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