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Nichts passiert
Nichts passiert
© Filmcoopi Zürich

Kritik: Nichts passiert (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Titel trifft den Nagel auf den Kopf. Der Protagonist Thomas Engel (Devid Striesow) spielt in Micha Lewinskys schwarzhumorigem Drama ein Verbrechen herunter. Und lebt auch sonst nach dem Motto "Nichts passiert", wie schon der Einstieg deutlich macht. Hier sitzt der Familienvater in einem Therapiegespräch, bei dem er eine Auseinandersetzung mit einem Kollegen lächelnd bagatellisiert. Er selbst sei prinzipiell ein netter Kerl. Und der Wutausbruch lediglich dem Alkohol geschuldet. Konflikte – das ist mehr als offensichtlich – kehrt Thomas am liebsten unter den Teppich. Nicht zuletzt im familiären Raum.

Schön, wenn die Sonne immer scheinen könnte und sich alle wohlgesonnen wären. Mit dieser Einstellung bricht Thomas samt Ehefrau Martina (energiegeladen: Maren Eggert) und Tochter Jenny (Lotte Becker) zu einem Skiurlaub in die Schweizer Alpen auf, der aktuelle Spannungen wieder lösen soll. Ein gemütliches Beisammensein, das allerdings schon dadurch gestört wird, dass auch Sarah (Annina Walt), die Tochter seines Chefs, gegen Martinas und Jennys Willen mitgekommen ist. Unheil braut sich zusammen, als das 15-jährige Mädchen Thomas von einer Vergewaltigung durch einen Einheimischen berichtet. Anstatt gewissenhaft zu handeln setzt der Opportunist auf Verschleierung und bringt sich damit erst recht in Teufels Küche.

Eine falsche Entscheidung, und plötzlich kommt ein Räderwerk in Gang, das dramatische Konsequenzen hat. Dieses bestens erprobte Handlungsmuster spielt Lewinsky am Beispiel von Thomas Engel durch, dem man vor allem deshalb in Richtung Abgrund folgt, weil Hauptdarsteller Devid Striesow die Unbeholfenheit der Figur nuanciert zum Ausdruck bringt. Thomas hat es schlichtweg nicht gelernt, Verantwortung zu übernehmen und auf Stresssituationen souverän zu reagieren. Die beinahe krankhafte Sorge um den lieben Frieden bestimmt fortlaufend sein Verhalten und lässt keine große Rücksicht auf Sarahs Befinden zu. Striesow gelingt es, den eigentlich unerträglichen Protagonisten so zu spielen, dass man immer wieder Mitleid mit ihm hat. Etwa wenn er in einer Szene Sarah und den Täter auf höchst unbedarfte Weise zu einer Aussöhnung bewegen will.

Dass "Nichts passiert" mit der Zeit einiges von seiner Überzeugungskraft verliert, liegt an Lewinskys Drehbuch, das ab der Hälfte mit unglaubwürdigen Wendungen um sich wirft. Ein Zufall jagt nun den nächsten. Und reichlich bemüht steuert der Film auf einen Showdown zu, der Thomas‘ früheren Kollegenstreit auf eher plumpe Weise spiegelt. Was bitterböse und schockierend wirken soll, lässt den Betrachter jedoch kalt, da man sich hier bereits zu weit von der Figur und ihrem Schlamassel entfernt hat. Bedauerlich, wenn man bedenkt, dass der Anfangsteil mitzureißen weiß und Devid Striesow eine durchweg starke Leistung zeigt.

Fazit: "Nichts passiert" besticht durch eine reizvolle Grundidee und einen bestens aufgelegten Hauptdarsteller, büßt aufgrund aberwitziger Drehbuchvolten in der zweiten Hälfte allerdings einiges von seiner Wirkung ein.





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