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Kritik: Sex & Crime (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Langfilmdebüt des Regisseurs Paul Florian Müller ist eine spritzige Krimi-Farce mit zahlreichen überraschenden Wendungen. Müller, der auch das Drehbuch schrieb, nennt sie "eine blutige Beziehungskomödie". Wenn es um Geld und Liebe geht, vergessen die Protagonisten schnell jegliche Moral. Mit treffsicherem, oft makabrem Humor spielt die Geschichte mit den Bausteinen des Krimi-Genres und den Erwartungen der Zuschauer. Kaum zeichnet sich ein gedankliches Konstrukt ab, gerät es schon wieder ins Wanken. Weil der Film seine Charaktere nicht allzu ernst nimmt, sondern sie vielmehr zunehmend ins Kindische überzeichnet, tänzeln sie leicht und unbeschwert durch das Trümmerfeld, in das sie ihre Existenz verwandeln.

Eigentlich hat der Schriftsteller Theo längst genug von billigem Sex-and-Crime und möchte Gehaltvolleres verfassen, da steht er auch schon mittendrin in einer Geschichte, die seiner eigenen Fantasie entsprungen sein könnte. Sein bester Freund, der coole Valentin, der lieber Val mit englischem A genannt werden möchte, hat kein Verständnis für seinen Liebeskummer oder dafür, dass er im Club Tee statt Bier bestellt. Lange übersieht man die Anzeichen dafür, dass Val eine Profilneurose haben könnte. Eine unterschwellige Rivalität zweier Freunde, das Ringen um männliches Ansehen und die Gefühle einer Frau, sowie die Chance, eine hohe Versicherungssumme zu kassieren – all das bildet den Antrieb für mehr als nur ein kriminelles Komplott.

Immer wieder bereiten die humorvollen Dialoge Vergnügen, zum Beispiel wenn Val zu hören bekommt: "Spar dir deine späte Einsicht für später auf!" Wotan Wilke Möhring und die anderen Darsteller haben sichtlich Spaß an der Scharade, die ihre Charaktere veranstalten. Auch die Musik stellt sich in den Dienst des Humors bis hin zum furiosen Finale mit Operngesang. Die Inszenierung springt auf der Zeitachse munter hin und her, drückt auf den Rewind-Knopf und streut Rückblenden ein. Dabei fällt es jedoch zunehmend schwer, dem undurchsichtigen Verlauf der Geschichte zu folgen. Selbst die Charaktere scheinen irgendwann die Geduld zu verlieren, so dass die Handlung ins Possenhafte mündet. So bietet der Film zwar gut gespielte, amüsante Unterhaltung, deren Niveau jedoch im Verlauf abflacht.

Fazit: Die gut aufgelegte Krimi-Farce, mit der Regisseur Paul Florian Müller sein Debüt gibt, veranstaltet ein fintenreiches Rätselspiel um Leben und Tod. Die nichtlineare Erzählweise mit ihren überraschenden Volten, dem schwarzen Humor und den vergnügten Darstellern sorgen trotz der Tendenz zum Übermut für kurzweilige Unterhaltung.




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