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Kritik: Luna (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Luna" legt der 1972 in Kabul geborene Khaled Kaissar sein Langfilmdebüt vor – und erweist sich als begabter Gestalter von Action- und Spannungsszenarien. Bereits der Einstieg in das Geschehen wird von Kaissar und dessen Kameramann Namche Okon einnehmend erfasst: Auf einen Club-Abend folgt alsbald eine in reizvollen Bildern eingefangene Fahrt in die Berge, ehe es inmitten des ländlich-abgeschiedenen Idylls zu einem ersten Gewaltausbruch kommt. Wenn sich die titelgebende Protagonistin gemeinsam mit dem Geheimagenten Hamid auf die Flucht begibt, wenn das Duo in Gefahrensituationen gerät und das Ziel verfolgt, den Ermittlungsergebnissen von Lunas getötetem Vater auf die Spur zu kommen, ist das stets äußerst souverän in Szene gesetzt.

Das Drehbuch von Ulrike Schölles, Ali Zojaji und Alexander Costea hat indes spürbare Schwächen. Viele Aspekte der Geschichte um Spionage, Verrat und Vertuschung werden nur oberflächlich angerissen; einige Wendungen sind kaum glaubwürdig, andere wiederum allzu vorhersehbar. "Alles, was du liebst, kann in einem einzigen Augenblick verschwinden", lautet einer der ersten Sätze, die wir (via voice-over) hören – die Wucht dieser Aussage wird im weiteren Verlauf der Handlung allerdings recht selten eingelöst, da den Figuren und ihren Beziehungen zueinander weitgehend die Tiefe fehlt. Charakterliche Entwicklungen muten daher eher behauptet an, auch weil sie sich deutlich zu rasch vollziehen.

Neben der dichten Inszenierung liegen die Stärken des Werks, welches auf dem Filmfest München 2017 uraufgeführt wurde, eher im Schauspiel. Lisa Vicari, bekannt aus dem postapokalyptischen Horrorthriller "Hell" sowie aus der Netflix-Serie "Dark", interpretiert die Titelrolle überaus energisch; ebenso vermag ihr Co-Star Carlo Ljubek ("Shahada") als Hamid in seiner melancholischen Art zu überzeugen. Bis in die Nebenparts hinein ist der Film, etwa mit Rainer Bock ("Das weiße Band") oder Bibiana Beglau ("3° kälter"), sehr gut besetzt. Gleichwohl wäre eine differenziertere Zeichnung des Personals vonnöten gewesen, um das Potenzial dieses Ensembles wirklich zu nutzen.

Fazit: Ein spannungsreich gefilmter und überzeugend gespielter Genre-Beitrag, dessen Skript jedoch zu sehr an der Oberfläche bleibt und in der Figurenentwicklung wenig plausibel ist.




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