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The Secret Man
The Secret Man
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: The Secret Man (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "The Secret Man" legt der Drehbuchautor, Regisseur und ehemalige Investigativ-Journalist Peter Landesman ("Erschütternde Wahrheit") einen Politthriller und zugleich ein Biopic über den Mann vor, der sich im Jahre 2005 als berühmter Medieninformant "Deep Throat" erwies: Mark Felt, der einstige Vizedirektor des FBI, versorgte die Washington Post Anfang der 1970er Jahre mit wichtigen Informationen zu den Machenschaften der Regierung und trug damit wesentlich dazu bei, dass der damalige Präsident Richard Nixon 1974 im Zuge der sogenannten "Watergate-Affäre" zurücktrat. Landesmans Skript basiert auf den Büchern, die Felt in seinen letzten Lebensjahren zusammen mit John D. O'Connor veröffentlichte. Der Film entzieht sich einer klaren Wertung, was Felts Motive betrifft, und zeichnet seinen Protagonisten in ambivalenten Zügen, kann mit seiner unentschlossenen Erzählweise jedoch nicht gänzlich überzeugen.

Es gelingt Landesman in vielen Momenten, allein durch Dialoge Spannung zu erzeugen. Der Action-erprobte Liam Neeson ("96 Hours") kann sich in "The Secret Man" mal wieder als Charaktermime zu erkennen geben, indem er Felts wachsende Zweifel und den inneren Konflikt des extrem loyalen FBI-Mannes in seinem Spiel vermittelt. An die Wucht des großen Klassikers zum Thema "Watergate-Affäre" – Alan J. Pakulas "Die Unbestechlichen" (1976) – reicht Landesmans Werk nicht heran; dennoch liegt durchaus ein Reiz darin, keine Heldengeschichte über die Freiheit und Macht der Presse zu schildern, sondern die durchaus zwiespältigen Hintergründe zu beleuchten, die den Triumph der Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein überhaupt erst ermöglichten. Dass "The Secret Man" sich nicht festlegt, ob Felt aus Rache gehandelt hat, weil er nach dem Tod von J. Edgar Hoover nicht zum neuen Direktor des FBI ernannt wurde, oder ob doch ausschließlich Idealismus hinter seinem Vorgehen stand, ist eine kluge Entscheidung. Weniger konsequent ist Landesman hingegen, wenn er sich recht oberflächlich der privaten Seite von Felt widmet. Dessen Ehe mit der offenbar depressiven Audrey befindet sich in einer schweren Krise; obendrein ist die jugendliche Tochter des Paars verschwunden. Trotz der begabten Interpretinnen Diane Lane ("Untreu") und Maika Monroe ("It Follows") bleiben diese Rollen und Nebenstränge zu blass.

In kleinen Parts sind Stars wie Bruce Greenwood (als Time-Magazine-Reporter Sandy Smith), Michael C. Hall (als Nixons Rechtsberater John Dean), Eddie Marsan oder Tom Sizemore zu sehen, die dem Mix aus politischem Drama und Thriller einen gewissen Glanz verleihen. Ebenso trägt die Ausstattung dazu bei, dass "The Secret Man" insgesamt zu einem soliden Film wird, der allerdings sein Potenzial nicht vollauf nutzt: Die damals als völlig aberwitzig und undenkbar anmutende Erkenntnis, dass der US-Präsident und dessen enger Kreis lügen und korrupt sind, ist von erschreckender Aktualität.

Fazit: Der Weg vom loyalen FBI-Mann zum Whistleblower wird ambivalent und in spannungsreichen Dialogpassagen gezeigt. Die Nebenplots um das Privatleben des Protagonisten sind indes zu schwach – und die Möglichkeit, einen Bezug zur heutigen Situation des Landes herzustellen, bleibt leider ungenutzt.





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