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Grenzbock
Grenzbock
© farbfilm verleih

Kritik: Grenzbock (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der erste lange Kinofilm von Hendrik Löbbert unternimmt einen dokumentarischen Ausflug in die deutsche Jägerszene. In Brandenburg wird ab und zu zur großen Jagd mit Waldhörnern und Waidmannsheil-Rufen geblasen. Zum Alltag der älteren Herren in traditioneller Jägerkluft gehören dort aber eher Erkundungsgänge durch die Reviere, um die Spuren des Wilds zu sichten, die bürokratische Arbeit der Hegegemeinschaften, Schießübungen in der Halle. Tradition spielt bei diesem Hobby, bei dem Männer noch überwiegend unter sich sind, eine große Rolle. Doch der Filmemacher kann als Außenstehender nur partiell verstehen, aus welchen verschiedenen Komponenten sich die Motivation und das Selbstverständnis der Jäger zusammensetzen.

Die Jagd ist für die Protagonisten ein Ausdruck von Männlichkeit. Das Gedicht, das einer von ihnen zum Besten gibt, behauptet, dass auch ein lockendes Weib den Mann nicht länger halten kann, wenn zur Jagd geblasen wird. Es verwundert nicht, dass die Senioren, die hier in Knickerbockern und mit grünen Hüten durch den Wald streifen, auch eine altertümliche Sprache und konservative Ansichten pflegen. Die Jagd bietet ihnen eine attraktive Mischung aus Heimatnostalgie, cooler Fachsimpelei und Teilhabe an der ewig jungen Wildnis der Natur. Einerseits ist der Wald unergründliches, geheimnisvolles Gebiet, andererseits aber wird er auf den Kontrollgängen auch inspiziert wie das eigene Grundstück. Das rührt nicht nur daher, dass die Jagdreviere an Grundeigentum und Pacht gebunden sind: Vom historischen Jagdprivileg des Adels bis zum zeitgemäßeren Gedanken der regulatorischen Funktion und der Pflege des Waldes durch die Jäger ist es in der Fantasie anscheinend nicht allzu weit.

Der Film macht sich über die Jäger nicht lustig, versucht aber auch nicht, ihren Selbstdarstellungen die aparte Färbung zu nehmen. Im Gegenteil: Eine männliche Off-Stimme streut ab und zu Poetisch-Wissenswertes über das Wild ein. In diesem auffallend feierlichen und von tragischer Musik begleiteten Ton könnten sensible Naturen auch einen Hauch von Spott wittern. Vielleicht handelt es sich aber auch nur um den Versuch, das Thema quasi durch Rollenspiel zu ergründen. Die Jäger eignen sich jedenfalls in ihrer Harmlosigkeit nicht dazu, die Buhmänner der Nation abzugeben. Wenn sie geduldig in den Wald starren, die Flinte im Anschlag, scheinen sie ein bekanntes Sprichwort umzuwandeln in: Man sieht das Wild vor lauter Bäumen nicht. Aber diese wunderbaren Bäume, Birken, Kiefern, Buchen in lichter Formation und endloser Zahl! Der Wald und seine Ruhe sind die wirklichen Stars dieses Films.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Hendrik Löbbert schildert die Jagd als leicht skurriles Hobby älterer Männer, in dem sich romantische Heimatliebe, Imagepflege und Sehnsucht nach der ungezähmten Natur ausdrücken. Den Eindruck einer Nischenkultur zwischen elitärer Tradition und Vereinsmeierei kontrastieren stimmungsvolle Bilder aus den weiten Wäldern Brandenburgs, die das Geschehen reizvoll erden.




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