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Kritik: The Assassin (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"The Assassin" ist der neue Film von einem der bekanntesten und erfolgreichsten Regisseure in der Geschichte Taiwans: Hou Hsiao-Hsien, der gemeinsam mit Edward Yang wie kein zweiter für die taiwanesische Nouvelle Vague steht. Internationale Bekanntheit erlangte Hou vor allem mit seinem vielfach prämierten Heimat-Epos "Eine Stadt der Traurigkeit" von 1989. Darin befasste er sich einem vom chinesischen Militär niedergeschlagenen Aufstand im Jahre 1947, was über 20 000 Tote zur Folge hatte. Mit einem Budget von 15 Millionen Dollar realisierte er sein neuestes Werk "The Assassin", das Hou in unterschiedlichen Regionen Chinas drehte. Seine Weltpremiere feierte der Film bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes im letzten Jahr. Hou wurde für sein Martial-Drama dort mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.

Minimalismus und Subtilität lauten die Maxime im ersten Werk von Hou seit vielen Jahren. Statt – wie in vielen Martial-Arts-Filmen sonst üblich – sich in epischen, ausladenden Kampfszenen und Choreographien zu ergießen, setzt der Ausnahme-Regisseur seine (dennoch großartig inszenierten) Action-Sequenzen sorgsam und mit Bedacht ein. Weniger ist mehr, lautet die Devise. Das gilt vor allem auch hinsichtlich der Kulissen, Ausstattung und der Kleidung der Protagonisten. Standen in Filmen wie z.B. "Hero" (2002) die opulent-opernhafte Inszenierung und die Pracht der Farben im Mittelpunkt, konzentriert sich "The Assassin" eher auf andere Aspekte: hier stehen Stimmungen, Emotionen und letztlich der detaillierte und vielschichtige Ausflug in die lange, wechselhafte Geschichte Chinas im Zentrum. Reduktion lässt Regisseur Hou auch bei den Dialogen walten. Erst spät verliert etwa Hauptperson und Attentäterin Nie ihr erstes Wort.

Obwohl der Film viele Informationen und Verweise auf wichtige historische Fakten und Ereignisse vor allem während der Tang-Dynastie enthält, kann man sich des Films auch ohne profunde Vorkenntnisse erfreuen. Dafür sorgen die klare, eindeutige Handlung sowie die jederzeit nachvollziehbaren Verhaltensweisen der Charaktere, die sich dem Zuschauer erschließen. Inszenatorisch überrascht der Film immer wieder mit Kunstgriffen, die auf den ersten Blick so einfach scheinen, sich aber dennoch als ungemein wirkungsvoll und stark platziert erweisen. So ist etwa die Einführung in düsterem, melancholischem Schwarz-Weiß gehalten und erst im Laufe der Zeit ersetzt eine befreiende Farbgebung die bedrückende Farblosigkeit.

In langen, schwermütigen Kameraeinstellungen konzentriert sich Hou zudem immer wieder auf die mal beklemmend-kargen, mal prachtvollen Landstriche. Die Figuren erscheinen in dieser landschaftlichen Einbettung dann klein und mickrig, fast unbedeutend. Dass Nies Gefühle ihrer großen Liebe hingegen alles andere als unbedeutend sondern nach wie vor vorhanden sind, erleben ihre Feine bald am eigenen Leib.

Fazit: Melancholisches, subtiles Martial-Arts-Drama voller inszenatorischer Kniffe, einer mystisch-geheimnisvollen Grundstimmung und mit traumwandlerischer (Stil-) Sicherheit vom taiwanesischen Meister-Regisseur Hou inszeniert.




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