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Kritik: Julieta (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach der albernen Komödie "Fliegende Liebende" (2013), die für viele als ein Tiefpunkt in der Karriere des Pedro Almodóvar gilt, versucht sich der spanische Regisseur nun an einem Drama über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung. Dabei greift der Filmemacher zwar auf zahlreiche bekannte Stärken seiner vorherigen Werke zurück und fasziniert mit komplexen Frauenfiguren, ausgeklügelten Bildkompositionen sowie einer reizvoll verschachtelten Erzählweise – und dennoch überrascht "Julieta" mit einem bislang unbekannten Ernst.

Dass der für Almodóvar typische dunkle Humor hier fehlt, mag der Vorlage geschuldet sein: "Julieta" beruht nämlich auf drei Kurzgeschichten der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro, deren Schaffen auf den ersten Blick wenig mit dem Almodóvars gemeinsam hat – Sprünge in der Chronologie der Erzählung mögen da noch die auffälligste Parallele sein. Spaniens wohl bekanntestem Filmemacher hat sich Munros unsentimentale Geschichten allerdings in einem solchen Maße angeeignet, dass der Regisseur selber lieber von einer Hommage als von einer werkgetreuen Adaption sprechen möchte. So fehlt es "Julieta" zwar am Witz und der überbordenden Melodramatik früherer Filme, aber auch dieser neueste Streich des Meisters bleibt klar ein typischer Almodóvar.

Gemeinsam mit den starken Leistungen seiner Darsteller, allen voran Emma Suárez und Adriana Ugarte als ältere und jüngere Julieta, gelingt dem Filmemacher so ein Anknüpfen an alte Erfolge. "Julieta" mag zwar nicht Almodóvars bester Film sein, dafür wagt der Spanier hier zu wenig, doch sein Drama führt noch einmal vor Augen, wozu dieser Ausnahmeregisseur fähig ist – und das lässt nicht bloß "Fliegende Liebende" vergessen, sondern auch auf weitere Filme hoffen.

Fazit: "Julieta", beruhend auf Kurzgeschichten der Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro, bietet mit seinen komplexen Frauenfiguren, ausgeklügelten Bildkompositionen sowie einer verschachtelten Erzählweise all das, was man an Pedro Almodóvars Werk schätzt. Und dennoch überrascht das Drama mit einem für den Spanier unbekannten Ernst und gedrosselter Melodramatik. Kein neues Meisterwerk, aber ein hoffnungsvolles Anknüpfen an alte Erfolge.




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