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Anhedonia - Narzissmus als Narkose
Anhedonia - Narzissmus als Narkose
© Interzone Pictures

Kritik: Anhedonia - Narzissmus als Narkose (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Da hat sich der Regisseur und Drehbuchautor Patrick Siegfried Zimmer ja etwas Schönes für sein Kinodebüt ausgedacht: einen Spaßfilm über die Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden. Robert Stadlober, der auch als Co-Regisseur fungiert, spielt die Hauptrolle des Patienten Franz. Er soll im Haus "Seelenfrieden" seine Sinne stimulieren lassen, bis er wieder über das ganze Spektrum der menschlichen Gefühle verfügt. Zunächst glaubt man, es handele sich um einen Historienfilm, denn Franz und die anderen Charaktere sind altmodisch gekleidet und sprechen wie die Dichter und Denker früherer Epochen. Aber schon bald wird erwähnt, dass es sich um das Jahr 2020 handelt, in dem der Euro schon abgeschafft ist. Das Rätselspiel der verschachtelten Handlung, in der Zeiten und Denkmuster wild durcheinandergeworfen werden, bereitet über weite Strecken Vergnügen.

Zimmer, der auch für die Musik, das Produktionsdesign und die Kostüme zuständig ist, bezeichnet den Film als Satire auf die Spaßgesellschaft. "Chillaxen Sie!", befiehlt der unsichtbare Professor Young gerne in seinem mehrsprachigen Kauderwelsch, das er mit "Have fun!" abzuschließen pflegt. Franz und Fritz sollen sich im Schlick suhlen und auf der Wiese tanzen, denn "der Körper muss atmen", wie der Professor sagt. In solchen Floskeln erkennt der amüsierte Zuschauer sprachliche Unsitten der heutigen Zeit. Und auch das moderne Filmbusiness bekommt sein Fett weg. Schon allein, wie die Handlung die zwei Jünglinge planmäßig durch Krise und Läuterung schickt, verweist auf die tendenzielle Einfallslosigkeit der Mainstreamdramen. "Wir alle haben oft Angst, du musst dich deiner Angst stellen", bekommt Franz zu hören. Weil der Sprecher aber kein Mensch ist, gerät die Szene zur saftigen Posse. Selbst die Rahmenhandlung mit dem Filmdreh ist satirisch, denn der Regisseur Schorsch weiß kaum, wohin mit seiner Wut auf den eigenen Karriereknick.

Über solche Hintergründe informiert dann der stoische Erzähler Diabolus (Blixa Bargeld). Seine Exkurse und die Film-im-Film-Handlung sorgen für einen abwechslungsreichen Verlauf voller Überraschungen. Im Detail sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Die Charaktere tragen mal Mozart-Perücken oder Napoleon-Uniformen, es gibt Teleportation und gelegentlich das Gelächter eines unsichtbaren Studiopublikums. Trotz dieser Ideenfülle wirkt der Film nicht überladen oder hektisch, allerdings wiederholt sich das Rumpelstilzchen-Gehabe von Franz und der Handlung geht mit der Zeit ein wenig die Luft aus, bevor es noch eine hübsche Schlusspointe gibt.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Patrick Siegfried Zimmer ist eine gelungene satirische Posse auf die von Überdruss geplagte Spaßgesellschaft und ihre vergebliche Suche nach Antworten im Film. Der Ideenreichtum der Inszenierung, die verschiedene Epochen bunt durcheinandermischt, wirkt immer wieder unterhaltsam und kurzweilig, auch wenn der Geschichte im Verlauf etwas die Puste ausgeht.





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