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Nomaden des Himmels
Nomaden des Himmels
© Neue Visionen

Kritik: Nomaden des Himmels (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Langfilmdebüt des kirgisischen Regisseurs und Drehbuchautors Mirlan Abdykalykov erzählt in Form einer berührenden Geschichte vom Familienzusammenhalt und den Traditionen der aussterbenden Nomadenkultur. Alles, was die Mitglieder einer Familie in den bergigen Weiten Kirgistans erleben, teilen sie miteinander, denn eine Privatsphäre im westlichen Sinn gibt es in der Jurte und davor nicht. Die Veränderungen, die sich ankündigen, sind jedoch eine Herausforderung für das sensible Gefüge dieser kleinen Gemeinschaft: Wird Shaiyr heiraten und die Schwiegereltern verlassen, um in der Stadt zu wohnen, wie ihr Sohn? Die neuen Zeiten machen sich zum Kummer des Großvaters auch schon in der Gegend selbst bemerkbar, durch Bagger, Lastwagen und Vorhaben wie den Bau einer Eisenbahnlinie.

Eine Kultur davor zu bewahren, in Vergessenheit zu geraten, ist auch das Ziel anderer Filme über Nomaden, wie zum Beispiel "Die Höhle des gelben Hundes" von Byambasuren Davaa. Der kirgisische Filmemacher Abdykalykov reiht sich nun auch in diese Linie ein, wenn er sagt, er wolle das Bewusstsein für die Bedeutung der Tradition gerade in einer Zeit des sozialen Wandels stärken. Die Nomadenfamilie in dieser Geschichte zeichnet sich durch eine besondere Qualität des Miteinanders aus. Die Figur des Großvaters, der als Familienoberhaupt eine wichtige integrierende Funktion innehat, liegt dem Regisseur besonders am Herzen und wird von Tabyldy Aktanov bewegend gespielt. Der alte Mann hat ein feines Gespür für die Stimmungen in der Familie und für das, was jeden einzelnen beschäftigt. Und er ist weise genug, weder der Schwiegertochter, noch dem Enkel Vorschriften zu machen. Die Großeltern erzählen Geschichten und Sagen, in denen Menschen zu Tieren verzaubert werden. Auf diese Weise zeigen sie indirekt Anteilnahme oder geben Interpretationshilfen zu aktuellen Problemen.

Shaiyr schweigt meistens, wie es sich für eine Schwiegertochter geziemt, aber sie lässt sich von der kritischen Schwiegermutter nicht alles gefallen. Konflikte und Versöhnung wechseln sich in der Familie ständig ab, sie ähnelt einem Netz, das Erschütterungen flexibel abfedert und dabei seine Form verändert. Auch wenn der Erzählstil so einfach ist wie viele Dialogsätze der exemplarisch agierenden Charaktere, geht das Drama in die Tiefe und vermeidet schnelle, gefällige Lösungen. Man fühlt sich in das Leben dieser würdevollen Menschen in der imposanten Landschaft einbezogen und stellt am Ende des Films womöglich fest, dass einen der eine oder andere von ihnen noch weiter beschäftigt.

Fazit: Das kirgisische Drama erzählt von einer drei Generationen umfassenden Nomadenfamilie, die vor einer ungewissen Zukunft steht. Die Jungen werden die Werte und Traditionen, mit denen sie aufwachsen, vermutlich nicht mehr im Sinne der Großeltern mit Leben füllen, sondern in die Stadt ziehen. Der berührende Film aber setzt dem Familienzusammenhalt in dieser alten, vom Aussterben bedrohten Kultur ein schönes Denkmal.





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