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Die Poesie des Unendlichen
Die Poesie des Unendlichen
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Die Poesie des Unendlichen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das britische Drama von Regisseur Matthew Brown erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die die mathematische Grundlagenforschung befruchtete. Während des Ersten Weltkriegs ist der junge indische Autodidakt Srinivasa Ramanujan zu Gast in Cambridge. Unterstützt von seinem Mentor, dem Mathematik-Wissenschaftler G.H. Hardy, arbeitet er unermüdlich an der Beweisführung für seine revolutionären Entdeckungen, die ihm wie Eingebungen in den Sinn kommen. In dieser Arbeitsbeziehung treffen nicht nur zwei Kulturen aufeinander, sondern auch zwei entgegengesetzte Wege zur mathematischen Erkenntnis, die sowohl nüchtern, als auch berauschend sein kann. Browns Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen biografischen Buch von Robert Kanigel. Srinivasa Ramanujan wurde nur 32 Jahre alt, aber einige seiner Arbeiten finden ihre Entsprechung in der modernen Physik unserer Tage.

In Cambridge ist der einzige Vertraute Ramanujans der kühle, wesentliche ältere Hardy. Er sagt am Anfang des Films als Voice-Over-Erzähler, die Bekanntschaft mit dem Inder sei "das einzige romantische Ereignis" seines Lebens gewesen. Damit meint er lediglich, dass er mit einem Gleichgesinnten die einzige Leidenschaft teilen kann, die er kennt: die Liebe zur Mathematik. Für die Not Ramanujans, der in Cambridge ein isolierter Außenseiter ist und Heimweh hat, hat Hardy jedoch wenig Gespür. Dev Patel und Jeremy Irons spielen das ungleiche Duo mit verhaltener Kraft und versuchen die Gräben in dieser Beziehung nicht mit Aktionismus oder Pathos zu überbrücken. So strahlt die Geschichte eine angenehme Wahrhaftigkeit aus.

Allerdings übt sich der Film auch in großer Zurückhaltung, wenn es um die mathematischen Inhalte geht und wie die beiden Forscher sie diskutieren. Das zu erläutern, wäre zwar auch schwierig gewesen, aber ein wenig enttäuscht es dennoch, dass der Kern dieser Beziehung so unsichtbar bleibt. Diesen Mangel kann die Inszenierung größtenteils wettmachen, indem sie an den Drehorten in Cambridge und auch in Südindien atmosphärisch überzeugende Bilder einfängt. Auch die stimmige Ausstattung haucht dem historischen Stoff Leben ein, zum Beispiel wenn im Hof von Cambridge Feldlazarette für die Kriegsversehrten aufgestellt werden. Die Szenen, in denen sich Ramanujan und seine junge Frau vor Sehnsucht nacheinander verzehren, wirken zwar romantisch, aber auch sehr der erzählerischen Konvention geschuldet.

Fazit: Der liebevoll und mit sicherem Gespür für Ausstattung und Atmosphäre inszenierte Spielfilm erzählt die wahre Geschichte einer Freundschaft zweier renommierter Mathematiker zur Zeit des Ersten Weltkriegs. In Cambridge schlägt dem ungebildeten, aber genialen jungen Inder Srinivasa Ramanujan elitärer Chauvinismus entgegen, aber in der Auseinandersetzung mit seinem Mentor G.H. Hardy erweist sich der Zusammenprall konträrer Geisteshaltungen als fruchtbar. Gerade in der Zurückhaltung, mit der die gut gespielten Charaktere auftreten, wirkt das Drama wahrhaftig und bewegend.





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