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Sexarbeiterin
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© P'Artisan Filmproduktion GmbH

Kritik: Sexarbeiterin (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Sexarbeiterin Lena Morgenroth entspricht dem genauen Gegenteil von dem Bild, welches die Medien, aber auch Feministinnen wie Alice Schwarzer, üblicherweise von Sexarbeit entwerfen. Lena ist keine Zwangsprostituierte, sondern eine selbstbewusste und selbstständige junge Frau, die tut, was sie liebt und die liebt, was sie tut. Lena ist weder drogenabhängig, noch von Missbrauch gezeichnet, sondern eine Akademikerin in einer intakten Beziehung.

Ob sie durch ihr Outing als Sexarbeiterin Freunde verloren habe? "Ach, da waren ja schon andere Sachen vorher. Zuerst meine offenen Beziehung, dann mein Interesse für SM. Als es schließlich soweit war zu erzählen, dass ich als Sexarbeiterin tätig bin, war wahrscheinlich niemand mehr übrig, den das noch hätte schocken können." Lena ist äußerst offenherzig und keineswegs auf den Mund gefallen. Auf Seminaren für Sexarbeiterin und im Radio gibt sie eloquent Auskunft über ihre Sicht zu ihrem Job.

Dabei lässt Lena durchaus durchblicken, dass sie sich als Selbstständige mit ihren erotischen Massagen in einer privilegierten Position gegenüber Prostituierten befindet, die "ganz normal in einem Bordell arbeiten". Aber - und das ist ihr wichtig - auch letztere seien wesentlich aktiver und würden ebenfalls viel stärker ihr eigenes Tun bestimmen, als es dem Bild der käuflichen Frau, welche dem Mann jeden Wunsch erfüllt, entspricht.

Sobo Swobodnik gelingt es in ihrer Dokumentation einen faszinierenden Einblick in das Leben und in die Welt von Lena zu gewähren. Dabei tritt Swobodnik dankbarer Weise vollkommen hinter ihrer Protagonistin zurück. Dies zeigt sich auch daran, dass sie auf jede Form von Interviews verzichtet. Wenn jemand Lena eine Frage stellt, dann kommt diese beispielsweise von ihrer Schwester Thekla, mit der sie in der Küche am Tisch sitzt.

In eleganten schwarzweißen Bildern zeigt Sobo Swobodnik Lena beim Kochen und beim Lesen und bei ihren erotischen Sessions. Letztere werden so offen gezeigt, wie es dem Wesen der Porträtierten entspricht. Explizit und ohne falsche Scham bestätigt die Darstellung Lenas Standpunkt, dass ihre Arbeit im Prinzip eine Dienstleistung, wie jede andere ist. Doch sei es ihr wichtig "ihren Kunden wirklich als Menschen zu begegnen".

"Natürlich kann man trotzdem nicht sagen, dass alle Sexarbeiterinnen vollkommen frei sind. Viele machen diese Arbeit, weil sie das Geld brauchen. Aber das Gleiche gilt auch für die Kassiererin im Supermarkt." Es sind kluge Argumente und Einsichten, die Lena von sich gibt. Sie liefern gute Anregungen, um einmal ganz neu über Sexarbeit nachzudenken.

Fazit: "Sexarbeiterin" liefert einen Einblick in eine Welt der käuflichen sexuellen Dienstleistungen, der dazu geeignet ist eine Vielzahl tiefsitzender Vorurteile und Klischees im eigenen Kopf auszuradieren.





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