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The President
The President
© Tiberius Film © 24 Bilder

Kritik: The President (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der iranische Regisseur Mohsen Makhmalbaf knöpft sich in dieser kraftvollen satirischen Posse den Mechanismus eines Diktatorsturzes und seine Folgen vor. Das nicht näher bezeichnete Land ist auf dem Gebiet des früheren Sowjetreichs angesiedelt: Der Film wurde in Georgien und in der dortigen Landessprache gedreht. Aber offensichtlich zielt Makhmalbaf mit dieser Geschichte auch auf den Ausgang des Arabischen Frühlings ab, dessen Versprechen einer demokratischen Erneuerung nur halbherzig und unzureichend eingelöst wurde. Denn der gestürzte Präsident erlebt auf seiner Flucht die Allgegenwart des Militärs und seine Ausschreitungen gegen die Bevölkerung. In der Form eines Roadmovies schildert der Film die Verwandlung des Diktators in einen einfachen Mann, der nun das Recht des Stärkeren aus ungewohnter Perspektive kennenlernt. Satire und nachdenklicher Ernst wechseln sich ab in diesem Plädoyer gegen die Spirale der Gewalt, die der Ruf nach Vergeltung allzu oft in Gang setzt.

Zunächst überwiegen die satirischen Töne: Das prunkvolle Leben im Palast, wo der kleine Enkel als "königliche Hoheit" angesprochen wird und vom Großvater lernt, dass er befehlen kann, was immer ihm einfällt, wird mit dem Elend im Land kontrastiert. Waffengewalt, Bauruinen, arme Menschen, die nichts zu essen haben und deren Kinder im Steinbruch schuften müssen – all das bekommen der Ex-Präsident und sein Enkel auf der Flucht zu Gesicht. Die satirische Überspitzung drückt sich in gelungenen visuellen Symbolen aus, etwa wenn der Alte und das Kind als Vogelscheuchen auf einem Feld posieren, um von den vorbeiziehenden Soldaten nicht entdeckt zu werden. Doch allmählich wird der Ton ernster, nachdenklicher: Der Präsident, der sich auf einmal ganz praktisch um seinen Enkel kümmern muss, bekommt in dieser Funktion sehr humane Züge. Sein stummer Blick lässt erkennen, dass er vieles bereut. Dieser Läuterung wird das oft schon hysterische Rachebedürfnis des Volkes entgegengesetzt. Die Stimmen der Gemäßigten drohen darin unterzugehen. Auch der Machtmissbrauch des Militärs wird angeprangert.

Der filmische Appell an die friedfertige Stimme der Vernunft, die Warnung vor sich hochschaukelnder Gewalt mag vielleicht etwas simpel und holzschnittartig wirken. Aber die lehrbuchartige Geschichte hat ihre Reize, nicht zuletzt aufgrund der ausdrucksstarken Bildgestaltung. Und der junge Darsteller des kleinen Enkels spielt seine anspruchsvolle Rolle beeindruckend.

Fazit: Mit dem satirischen Drama über die Odyssee eines gestürzten Diktators durch das eigene Land plädiert der Regisseur Mohsen Makhmalbaf für einen friedfertigen Neuanfang überall dort, wo sich eine Gesellschaft von einem Gewaltherrscher befreit. Der in Georgien gedrehte Film verknüpft drastischen Spott über menschliche Hybris und Machtmissbrauch mit nachdenklichem Ernst. Diese Kontraste und ihre symbolträchtigen Bilder prägen die nicht alltägliche Geschichte, die Geist und Gemüt anspricht.




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