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Die Baumhauskönige
Die Baumhauskönige
© farbfilm verleih

Kritik: Die Baumhauskönige (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der niederländische Kinderfilm der Regisseurin Margien Rogaar nimmt die Gefühlswelt zweier junger Freunde, die zu erbitterten Feinden werden, auf angemessene Weise ernst. Aber er weiß auch, wie sehr die Abenteuer in diesem Lebensalter zwischen Kindheit und Pubertät noch von Spiel und Fantasie geprägt sind. Das Ergebnis ist eine stimmungsvolle Geschichte über Sommerferien, die nicht wie gewünscht verlaufen und gerade deswegen voller Spannung stecken.

Ziggy und Bas haben lange geglaubt, dass sie nichts trennen könnte. Aber nun strömen neue Erkenntnisse in ihre heile Kinderwelt, die Verunsicherung mit sich bringen. Bas hört, dass Ziggy Latein lernen wird, während seine Noten nicht gut genug für das Gymnasium sind. Er fühlt sich zurückgesetzt und meint sogar, seinen Vater zu enttäuschen. Und er beginnt, sich für Mädchen zu interessieren, nämlich für die Klassenkameradin Elena, die ebenfalls mit ihren Freundinnen das Sommercamp besucht. Dass Ziggy und er gute Freunde bleiben, scheint für Bas plötzlich nicht mehr so wichtig zu sein. Ziggy hingegen weiß nicht, wie ihm geschieht. Der Film arbeitet dann genau beobachtend heraus, wie sich die Gefühlswelt beider Jungen verdüstert, während sich das freudig erwartete Sommercamp in einen Ort von Streit und Ärger verwandelt. Diese neue Lage wird ohne glättende Verniedlichung, sondern richtig heftig geschildert. Die Jungen sind mit ihrem Problem auf sich gestellt, denn ihre Eltern eignen sich, wie das in dem Alter nun mal so ist, als Gesprächspartner nur noch bedingt.

Ziggy und Bas werden als ziemlich komplexe Charaktere gezeichnet, die sich nicht nur im Konflikt miteinander, sondern auch mit sich selbst befinden. Ihre Darsteller spielen sie sehr glaubwürdig und sympathisch. Das Baucamp bietet Ziggy und Bas viel Freiraum, um den Streit bis zum wilden Abenteuer eskalieren zu lassen, das außer Kontrolle gerät. Hier sucht die Geschichte ganz geschickt den Anschluss an die Erlebniswelt früherer Generationen, die im Vergleich zu heutigen Kindern in der Freizeit viel weniger beaufsichtigt waren. Alles, was im Baumhaus-Lager geschieht, hat auch eine spielerisch-aufregende Komponente, die Kinder legen sich selbstgebastelte Rüstungen an und bemalen sich wie Indianer. Auch die Musik verweist auf diese Gratwanderung zwischen Abenteuerspaß und Grimmigkeit, die die Geschichte so kreativ absolviert, und verleiht ihren treibenden Rhythmen mit vielen, auch ungewöhnlichen Instrumenten eine experimentierfreudige Note.

Fazit: Die Abenteuer zweier Jungen im Feriencamp sind kein unbeschwertes Kinderspiel mehr, als ihre Freundschaft in die Brüche geht. Der niederländische Kinderfilm beweist ein gutes Gespür für die Gefühlswelt der Zielgruppe und balanciert überzeugend zwischen sommerlicher Atmosphäre und ernster Spannung.





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