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Das Land der Erleuchteten
Das Land der Erleuchteten
© Real Fiction

Kritik: Das Land der Erleuchteten (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Das Land der Erleuchteten" ist Pieter-Jan De Pues Regiedebüt. Ursprünglich reiste der 1982 geborene, belgische Fotograf im Juni 2007 nach Afghanistan, um an verschiedenen Reportagen zu arbeiten. Zurückgekehrt ist er mit einer traumgleichen Kreuzung aus Dokumentarischem und Fiktion, die er über einen Zeitraum von fünf Jahren gedreht hat. De Pues Protagonisten – egal ob jugendliche Afghanen oder die nur wenig älteren US-Soldaten – spielen quasi sich selbst. Wiederholt setzt der Regisseur, der auch die Kamera führte, deren Wünsche, Träume und Fantasien ins Bild. Dabei kann sich das Publikum nie ganz sicher sein, welche Szenen echt und welche inszeniert sind.

Diesen Schwebezustand etabliert De Pue gleich zu Beginn, als eine Stimme aus dem Off eine Schöpfungsgeschichte erzählt, in der Gott dem afghanischen Urvater Nasrullah seinen Garten schenkt. Beinahe zehn Minuten dauert diese Einführung, zu der Zeitrafferaufnahmen der Berglandschaften, spielende Kinder in Opiumfeldern oder mitten in zurückgelassenem Kriegsgerät den Ton zwischen Realität und Traum setzen. Erzähler ist der junge Gholam (Gholam Nasir). Doch der erste Verfremdungseffekt setzt bereits damit ein, dass dieser seine Geschichte aus dem Off nicht selbst spricht. Auch der US-Soldat, der gegen Ende darüber fabuliert, sich selbst zum König von Afghanistan zu machen, ist nie ganz eindeutig zu identifizieren.

Nicht zuletzt durch seine lose Dramaturgie, die eher der mäandernden Bewegung eines Traums als einem klaren Ziel folgt, bekommt das Publikum diesen Film nie ganz zu fassen. Obwohl der dokumentarische Anteil deutlich überwiegt, weiß es nie zur Gänze, was es für bare Münze nehmen kann. Einen realistischen Eindruck der Lebensumstände in einem seit Jahrzehnten mit Krieg überzogenen Gebiet vermittelt "Das Land der Erleuchteten" aber allemal. Es ist ein Land, in dem die Kinder bereits mit acht Jahren zu arbeiten beginnen, früh heiraten und in der Regel nicht lange leben. Hier ist die härteste Währung Opium und wird in Patronen aufgewogen.

Fazit: "Das Land der Erleuchteten" ist eine traumgleiche Mischung aus Dokumentarfilm, Kriegsdrama und Märchen. Regisseur, Autor und Kameramann Pieter-Jan De Pue gelingen beeindruckende Bilder, die sich durch eine mäandernde Erzählweise und durch die Mischung von Fakten und Fiktion dem Publikum immer wieder entziehen.




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