VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Im Strahl der Sonne
Im Strahl der Sonne
© Salzgeber & Co

Kritik: Im Strahl der Sonne (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Zugang ins Land erhielt Regisseur Manskiy nur, da er offiziell einen Film über eine nordkoreanische Musterfamilie drehte. Dies tat er auch, aber stets mit dem geheimen Vorhaben, die wahren Lebensbedingungen sowie die diktatorischen Machtspiele der Militärs dort zu dokumentieren und diese Aufnahmen später irgendwie außer Landes zu schmuggeln. Zunächst begleiteten Manskiy und sein kleines Team die achtjährige Zin-Mi und ihre Eltern über einen Zeitraum von knapp einem Jahr. Während des Drehs wurden dem Regisseur stets Aufpasser und politische "Babysitter" zur Seite gestellt und das Drehbuch musste vorher natürlich eingereicht werden. Die Partei entschied, was an welchem Ort wie gedreht wurde und stellte die zu interviewenden Personen selbst zusammen.

Eine offensichtliche, vom Staat perfekt geformte nordkoreanische Musterfamilie steht im Zentrum des Films: die achtjährige Tochter geht auf die größte und modernste Schule der Hauptstadt, der Vater arbeitet als angesehener technischer Leiter in einer Fabrik und die Mutter in einem erfolgreichen Sojamilch-Unternehmen. Der Film zeigt auch immer wieder Szenen, die deutlich machen (sollen), wie glücklich und zufrieden die Menschen doch im "besten Land der Welt" sind. Massenevents wie Parteiveranstaltungen, Jahrestage oder die Aufnahme der Kinder in den Stand der "Jungpioniere" sollen den Eindruck einer perfekt harmonierenden, zufriedenen Bevölkerung vermitteln. In einer anderen Szene sieht man die Familie, wie sie glückselig an einem Tisch sitzt - dieser natürlich reichhaltig gedeckt - und die Tochter schon ganz genau weiß, wie wichtig es für die Gesundheit ist, täglich das nordkoreanische Nationalgericht zu sich zu nehmen.

Doch der Film entlarvt diese Sequenzen als Lügen und gestellte, bis ins Detail inszenierte Momentaufnahmen. Dies zu beweisen gelang Manskiy mit einem Trick: Die Kamera läuft auch zwischen den Takes, in den Drehpausen, und zeigt den hohen Grad der Inszenierung, etwa, wie der Familie durch einen Offiziellen genau eingetrichtert wird, was sie zu sagen und wie sie sich vor der Kamera zu verhalten habe. Vieles von dem Leid in dem Land, etwa die leeren Supermarktregale, die schlechte Gas- und Stromversorgung auch von Schulen im Winter sowie die ungerechte Verteilung von Essen und Hilfsgütern, bei der das Militär stets bevorzugt wird, kann die Kamera nicht einfangen. Zu stark ist die Kontrolle der Bewacher und "Aufpasser". Das, was nicht im Bild zu sehen ist, kommentiert eine Voice-Over-Stimme aus dem Off. Dennoch gelangen Manskiy einige unfassbare Bilder, die das System als Lügner bloßstellt und der Lächerlichkeit Preis gibt. Was ihm zudem gelang und vermutlich die größte aller Leistungen ist: er schaffte es, das heimlich gefilmte Material außer Landes zu bringen und so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Fazit: Bemerkenswerte und unter unglaublichen Risiken entstandene Doku über eine nordkoreanische Musterfamilie, die das politische System des abgeschotteten Landes als eines der übelsten und diktatorischsten der Welt entlarvt – und dies für alle Zeiten auf Zelluloid bannt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.