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Human - Die Menschheit
Human - Die Menschheit
© polyband

Kritik: Human - Die Menschheit (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Einen Dokumentarfilm über die Menschheit zu drehen, scheint zunächst ein größenwahnsinniges Vorhaben. Doch Yann Arthus-Bertrand schreckt vor Mammutprojekten nicht zurück. Der 1946 geborene Franzose hat den Zustand der Welt bereits als Fotograf unter seine Linse genommen. Seine Wanderausstellung Die Erde von oben, die Luftaufnahmen rund um den Globus zeigte, war in über 100 Städten zu sehen. Für sein Multimediaprojekt 7 Milliarden Andere stellte sein Team zwischen 2003 und 2007 in 75 Ländern 6000 Menschen jeweils 40 Fragen. Und auch Arthus-Bertrands Dokumentarfilme "Home" (2009) und "Planet Ocean" (2012), den er gemeinsam mit Koregisseur Michael Pitiot realisierte, sind mit enormem technischen und logistischen Aufwand gedreht.

In "Human" kommen nun die Menschen selbst zu Wort. Auf einen Kommentar verzichtet der Regisseur ganz, nennt zudem weder Namen noch Orte. Stattdessen setzt er unverhohlen auf Emotionen. Vor einem dunklen Hintergrund sprechen die Interviewpartner direkt in die Kamera, verlieren dabei nicht selten die Fassung, wenn sie von Krankheit, Krieg und Tod berichten. Ihre Gedanken über Freiheit, Liebe, Sex und Glück zaubern ihnen hingegen ein Lächeln auf die Lippen. Dass sich auch der eine oder andere Prominente wie etwa der ehemalige uruguayische Staatspräsident José Mujica unter den Befragten befindet, wird nicht jeder im Publikum erkennen. Diese Anonymität ist Teil des Konzepts. Wiederholt zeigt der Film während eines Gesprächs die stummen Gesichter anderer und verweist damit auf die Universalität des Gesagten. Die geschilderten Ansichten mögen zwar zum Teil grundverschieden sein, wenn es um essenzielle Bedürfnisse geht, sind jedoch alle Menschen gleich.

Mit dieser emotionalen Tour de Force konfrontiert Yann Arthus-Bertrand sein Publikum nicht am Stück. Als "Atempausen" zwischen den Interviews, wie der Regisseur es nennt, dienen atemberaubende Luftaufnahmen. Dann sieht der Zuschauer die Welt von oben, häufig in Wellenbewegungen, die erhaben über die Leinwand rollen. Armand Amar lädt diese ästhetisch perfekt durchkomponierten Bilder mit Weltmusik emotional noch ein Stückchen weiter auf. Von der unberührten Natur bis zum nächtlich erleuchteten New York erzählen Arthus-Bertrand und sein Chefkameramann Bruno Cusa im Verlauf des Films auf diese Weise auch eine komprimierte visuelle Geschichte der Evolution.

Fazit: Einem aufgeklärten Publikum mag "Human – Die Menschheit" keine neuen Erkenntnisse bieten, einem sachlichen zu emotional erscheinen, einem zynischen zu belanglos. Dennoch ist Yann Arthus-Bertrands Dokumentarfilm nicht nur ein formal betörender, sondern auch ein inhaltlich bedeutender. In weiten Teilen der Erde könnte er zu einem besseren Verständnis und zur Aufklärung beitragen. Trotz einer Laufzeit von mehr als zwei Stunden langweilt er keine Sekunde.




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