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Kritik: Goat (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Goat" basiert auf den 2005 veröffentlichten Memoiren von Brad Land, in denen der Autor zwei einschneidende Erlebnisse seiner Jugend schildert: den brutalen Angriff zweier Autodiebe sowie das hazing (zu Deutsch etwa: die Schikane) beim Beitritt in eine studentische Verbindung. Andrew Neel hat daraus ein zuweilen extrem hartes coming of age movie gemacht und dabei auf gelungene Weise seine Erfahrung als Dokumentarfilmer (u.a. "Darkon", "New World Order") eingebracht: Mit seinem Kameramann Ethan Palmer fasst er das erschreckend-verstörende Geschehen teilweise in naturalistische Bilder, lässt jedoch auch surreal anmutende Momente einfließen – zum Beispiel zu Beginn, als ein Pulk von Verbindungsbrüdern völlig in Rage in slow motion-Einstellungen präsentiert wird.

Neel schont weder seine Akteure noch sein Publikum; gleichwohl verkommt die Darstellung der gnadenlos-absurden Initiationsriten nie zur exploitation. Vielmehr regt das Gezeigte zum Nachdenken darüber an, wie weit insbesondere junge Menschen oft gehen, um ihren (vermeintlichen) Platz in der Welt beziehungsweise einem Mikrokosmos wie dem College zu finden. Während das Leben auf dem Campus und abseits davon in zahlreichen Komödien als großes Vergnügen eingefangen wird, legt Neel in seinem Werk die dunklen Seiten des Partyspaßes frei. Darüber hinaus finden Drehbuch und Inszenierung interessante Ansätze, um die fragwürdigen Vorstellungen von Maskulinität zu demonstrieren, die im Milieu der Studentenverbindungen vorherrschen. Dies erfolgt überwiegend subtil; einzig ein kurzer Gastauftritt von James Franco, der "Goat" mitproduziert hat und als ehemaliges Mitglied der Verbindung in Erscheinung tritt, gerät recht schrill.

Das Drehbuch von Andrew Neel, Mike Roberts und David Gordon Green ("Ananas Express", "Prince Avalanche") zeichnet seinen Protagonisten ausgesprochen vielschichtig – und Ben Schnetzer liefert eine eindrückliche Verkörperung, durch die tatsächlich nachvollziehbar wird, weshalb die Figur sich zunächst auf die körperlich und seelisch belastende Situation einlässt. Von Nick Jonas (als Bruder des Helden) und Danny Flaherty (als Mitbewohner) wird er solide flankiert.

Fazit: Ein wuchtiges Jugenddrama mit überzeugenden Darstellern. Der Regisseur beutet das Thema bei aller Härte nicht aus, sondern lässt über Gruppenzwang sowie verheerende Vorstellungen von Männlichkeit reflektieren.




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