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Unterwegs mit Jacqueline
Unterwegs mit Jacqueline
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Unterwegs mit Jacqueline (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Mohamed Hamidi hat viele Talente. Bevor er zum Film kam, arbeitete er unter anderem als Wirtschaftsprofessor an der Universität, als politischer Kommentator beim Fernsehen, als Texter für den Komiker Jamel Debbouze, der vor und hinter der Kamera auch in "Unterwegs mit Jacqueline" mit von der Partie ist, und als künstlerischer Leiter eines Festivals. Mit seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm ist Hamidi ein echter Publikumshit in Frankreich geglückt, was nicht verwundert. Schließlich hat dieses Roadmovie der etwas anderen Art alle Zutaten einer Wohlfühlkomödie.

Das Drehbuch, das Hamidi mit Alain-Michel Blanc und Hauptdarsteller Fatsah Bouyahmed verfasste, setzt voll auf das Aufeinandertreffen der Kulturen. Der algerische Bauer Fatah (Fatsah Bouyahmed) ist im Frankreich des 21. Jahrhunderts ein erfrischender Anachronismus. Dass er in unserer schnelllebigen Gesellschaft mit seiner Kuh zu Fuß von Marseille nach Paris marschiert, wirkt aus der Zeit gefallen. Seine Sprache, sein Anstand und seine Manieren sind angenehm gestrig. Mit dieser naiven, aber grundehrlichen Art hält Fatah ganz ungewollt einer in großen Teilen distanzierten und zynischen Gesellschaft den Spiegel vor, öffnet durch seine entwaffnende Offenheit aber auch die Herzen derer, auf die er während seiner Reise trifft.

Unter all den kleinen, harmlosen Gags über kulturelle Unterschiede vom Glauben über (Liebes-)Beziehungen bis zur Einstellung zum Leben schwingt auch immer eine politische Komponente mit. Wenn Fatahs Unterstützer am Ende des Films fordern, ihn nach seiner Tausende Kilometer langen Reise nicht vor verschlossenen Türen stehen zu lassen, ist das selbstverständlich auch ein Kommentar zur Flüchtlingskrise. Die Tore der Landwirtschaftsmesse werden zu den Toren Europas.

Der Regisseur passt Tempo und Ton dem Inhalt an. Der clash of cultures ist bei Hamidi kein laut scheppernder Zusammenprall, eher ein leiser, sanfter Zusammenstoß. Auf die in vielen Komödien unvermeidbar gewordenen Zoten verzichtet "Unterwegs mit Jacqueline" zum Glück ganz, setzt stattdessen auf Komik, die dem tölpelhaften Wesen seiner Hauptfigur entspringt. In Spiel und Aussehen erinnert Fatsah Bouyahmed dabei nicht selten an Louis de Funès – allerdings an eine versöhnliche Variante.

Fazit: "Unterwegs mit Jacqueline" ist eine liebenswürdige Wohlfühlkomödie, die von ihrem starken Hauptdarsteller und einer abenteuerlichen Geschichte lebt. Mit ihren leisen, häufig etwas zu braven Gags und dem versöhnlichen Ton kratzt sie an vielen Stellen jedoch nur an der Oberfläche. Zum Nachdenken regt der französische Publikumshit dennoch an. Unterhaltsam und kurzweillig ist er allemal.





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