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Kritik: Akt (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Akt ist eines der ältesten Genres in der Kunst. Er stellt den Betrachter stets vor dasselbe Rätsel: Wer verbirgt sich hinter diesem hüllenlosen Menschen? Regisseur Mario Schneider hat vier Aktmodelle begleitet und hinter deren Fassade geschaut. Auf den ersten Blick haben die drei Frauen und der Mann nichts gemeinsam.

Die 66-jährige Uta ist nahezu blind. Die 50-jährige Gabriela ist seit beinahe drei Jahrzehnten mit Jens zusammen, der kurz nach dem Beginn ihrer Beziehung sein Gehör verlor. Und der 32-jährige Max hat eine doppelte Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, die ihm in seiner Kindheit und Jugend zahlreiche Krankenhausaufenthalte bescherte. Nicht recht dazu passen will die 26-jährige Annette, leidet sie doch unter keinem körperlichem Makel. Als Kunststudentin, die sowohl Akt steht als auch Akt zeichnet, fungiert sie quasi als Bindeglied.

Behutsam, nahezu schwebend nähert sich Friede Clausz' Kamera zu klassischer Musik oder Jazz den Modellen, umkreist sanft ihre Proportionen, nimmt ihre Gesichtszüge in den Fokus. Ebenso behutsam nähert sich Mario Schneider seinen Protagonisten. Nach und nach öffnen sie ihm und dem Publikum auch ihr Innerstes, erzählen aus ihrer Vergangenheit, von komplizierten familiären Verhältnissen, von Schicksalsschlägen und von ihrer Einstellung zum Leben.

Das Ergebnis ist mal mehr, mal weniger bewegend. Nicht jeder gibt dasselbe Maß von sich preis. Nicht jede Lebensgeschichte ist gleichermaßen interessant. Die einzige inhaltliche Klammer bleibt tatsächlich der Job als Aktmodell. Da Schneider das Verhältnis seiner Protagonisten aber weder zur Kunst im Allgemeinen noch zum Akt im Konkreten, geschweige denn zum Verhältnis zum eigenen Körper konsequent genug befragt, trägt dieser Ansatz letztlich nicht.

Fazit: Mario Schneider dringt behutsam in die Leben vierer Aktmodelle vor. Da sein Dokumentarfilm jedoch eine konkrete Fragestellung vermissen lässt, wirkt das Ergebnis recht beliebig.




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