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Kingsman: The Golden Circle
Kingsman: The Golden Circle
© 20th Century Fox

Kritik: Kingsman: The Golden Circle (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Temporeich, ironisch, kompromisslos und comichaft überhöht – so präsentierte sich die Geheimdienstkomödie "Kingsman: The Secret Service" von Matthew Vaughn ("Kick-Ass"), die gleichermaßen als Hommage und Persiflage auf den Agentenfilm im Allgemeinen und James Bond im Besonderen funktionierte. Codes und Konventionen wurden aufgegriffen und mit großer Lust ad absurdum geführt, was angesichts der heute häufig vorherrschenden Ernsthaftigkeit im Spionagegenre – man denke nur an die 007-Abenteuer mit Daniel Craig – irgendwie erfrischend wirkte. Da sich die Comicverfilmung zu einem Hit mauserte, kommt das Publikum nun in den Genuss eines Nachfolgers, der ebenfalls unterhaltsam ausfällt, den teilweise originellen Wahnwitz des ersten Kapitels jedoch nicht ganz erreicht.

Nachdem der Jungagent Eggsy (Taron Egerton) im Vorgänger die Welt vor einem verrückten Internetmogul beschützen konnte und am Ende unter dem Decknamen Galahad zu einem vollwertigen Mitglied des regierungsunabhängigen, in London ansässigen Geheimdienstes Kinsgman avancierte, verschlägt es ihn nun in den Palast des schwedischen Königspaares, wo er in einer besonders amüsanten Szene die Eltern seiner Freundin Tilde (Hanna Alström) kennenlernt. Ausgerechnet jetzt zerstört die skrupellose Drogenbaronin Poppy (Julianne Moore) in einer beispiellosen Anschlagsserie alle Kingsman-Hauptquartiere und fügt der Spionagegesellschaft damit großen Schaden zu. Einzig Eggsy und sein Ausbilder Merlin (Mark Strong) bleiben verschont und schicken sich schließlich an, das Notfallprotokoll zu befolgen. Ein geheimnisvoller Hinweis führt sie in die Vereinigten Staaten, genauer gesagt in eine Schnapsbrennerei, hinter der sich der US-Geheimdienst Statesman verbirgt. Hier treffen die beiden Kingsman-Mitarbeiter überraschend auf ihren totgeglaubten Mitstreiter Harry Hart (Colin Firth) und finden bei den amerikanischen Kollegen Unterstützung im Kampf gegen Poppy, die ihr bislang verbotenes Geschäft auf perfide Weise legalisieren will.

Wer "Kingsman: The Secret Service" gesehen hat, weiß, dass Matthew Vaughn und Koautorin Jane Goldman ("The Limehouse Golem") in ihrem wilden Ritt durch die Agentenwelt keinen großen Wert auf Logik und erzählerische Raffinessen legen. Auch in der Fortsetzung sind deftige Überzeichnungen, krude Wendungen und aberwitzige Motive an der Tagesordnung, was sich dank einer flotten Inszenierung und einer stets augenzwinkernden Haltung gut ertragen lässt. Fast schon störend muten die emotionalen Zwischentöne an, die das Drehbuch alibimäßig in das überkandidelte Treiben einbaut. Staunenswert sind einmal mehr die betont stilisierten Actionsequenzen, die – wie im ersten Teil – mit allerlei lustigen Geheimdienstgadgets gespickt sind. Einen guten Eindruck hinterlässt auch die Gegenspielerin Poppy, eine Nostalgikerin, die sich ein eigenes 50er-Jahre-Amerika im kambodschanischen Dschungel errichtet hat und von Oscar-Preisträgerin Julianne Moore herrlich überzogen verkörpert wird.

Obwohl während der knapp 140-minütigen Laufzeit keine große Langeweile aufkommt, fehlen dem Film in manchen Momenten der anarchische Charme und der Meta-Witz des vorangegangenen Abenteuers. Einige gelungene Pointen bezieht "Kingsman: The Golden Circle" aus den Gegensätzen zwischen den gut gekleideten britischen und den hemdsärmeligen amerikanischen Agenten, wobei man Letzteren etwas mehr Entfaltungsraum gegönnt hätte, da sich die Macher mehrere Besetzungscoups erlauben. Deutlicher in Erinnerung behalten dürfte man den schrillen Gastauftritt eines bekannten Musikers, der als er selbst zu einem Sklaven Poppys wird.

Fazit: Auch beim zweiten Mal sind die Eskapaden der geschniegelten Kingsman-Agenten noch unterhaltsam, wenngleich die anarchische Qualität des Vorgängers ein wenig verloren geht.





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