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Kritik: Hedis Hochzeit (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Schon von den ersten Bildern an ist klar: Hedi steckt fest. Der Protagonist dieses ruhigen, unaufgeregten und unspektakulären Dramas kann weder etwas mit seiner Arbeit anfangen (er zieht sich immer erst so spät wie möglich um, wenn er bereits im Auto sitzt), noch mit seinem Privatleben, durch das er sich still mit dem geringstmöglichen Widerstand hindurchlaviert.

Regisseur und Drehbuchautor Mohamed Ben Attia schildert einen Selbstfindungsprozess, der durch die Bekanntschaft mit einer vitalen, Funken sprühenden Hotelanimateuse beschleunigt wird. Bei Rim zeigt Hedi erstmals, dass er über ein Rückgrat verfügt - sein uneingefordertes Geständnis, sie belogen zu haben, führt die Beiden auf unerwartete Weise zusammen und fordert Hedi heraus. Wird er die Konsequenzen aus der neuen, ihn belebenden Liebe ziehen und sein altes Leben samt seiner nichts ahnenden Braut Khedija verlassen?

Es ist weiß Allah keine bahnbrechende Geschichte, die erzählt wird und die man in Variationen nicht schon gesehen hat - und auch keine, die nur in diesem Kulturkreis geschildert werden könnte. Und Attia macht auch keine Anstalten, sie mit Politik und Geschichte aufzuladen. Der Arabische Frühling wird kurz thematisiert, bildet aber höchstens ein Hintergrundrauschen in einer Welt, in der Hedi für eine französische Firma Autos verkaufen und Rim vor deutschen Touristen tanzen muss. Doch auch dank der überzeugenden Schauspieler fiebert man doch mit Hedi mit - wie wird seine Entscheidung ausfallen, welchen Weg wird er gehen, welche Hindernisse werden ihm dabei noch in den Weg rollen? Dabei vermeidet der Film angenehm Schuldzuweisungen und verzichtet auf das Überzeichnen von Hedi's Mutter und Bruder. Ein Richtig oder Falsch kann es hier nicht geben, sondern nur eine Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Lebensweg, der von Tradition und Mentalität sicherlich mitgeprägt wird und von denen man / Hedi sich nicht so leicht freisprechen kann, wie vielleicht gedacht.

Fazit: Ein angenehm unaufgeregtes, gut gespieltes Drama, das inhaltlich nicht überrascht, aber dennoch für das Schicksal der Titelfigur einzunehmen vermag.




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